Ich weiß …

… ich müsste mal wieder bloggen, aber irgendwie komme ich derzeit nicht so recht dazu. Und wenn ich mal Zeit hätte, dann keine Lust, oder keine Ideen …

Ich versuche mich zu bessern, okay?

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Zelten

Wieder ein weiterer Schritt der kleinen Chefin in die Selbständigkeit. Die rasante Entwicklung, die unsere Kinder in den ersten beiden Lebensjahren machen, in der wir jeden Tag etwas Neues bei ihnen feststellen, was uns vom Sockel haut, die verlangsamt sich von Jahr zu Jahr. Die sogenannten Meilensteine, bei denen wir uns fragen wo die Zeit geblieben ist und wann unsere Kleinen so groß geworden sind, werden seltener.

Im Alter der kleinen Chefin sind es dann solche Meilensteine wie zum Beipsiel der erste Schultag. Oder als sie das erste Mal alleine zum Bäcker radelte. Aber die Häufigkeit solcher Aha-Momente nimmt ab. Aber diese Woche folgten mal wieder zwei Meilensteine direkt hintereinander. Gestern bekam die kleine Chefin ihr erstes Endjahreszeugnis in der Schule. Das erste Schuljahr ist nun schon rum. Nichts mehr mit Schulanfänger. Nach den Ferien geht sie schon in die zweite Klasse. Das Zeugnis war sehr gut und wieder hat sich für uns bestätigt, dass wir alles richtig gemacht hatten, als wir sie nicht bereits als Kann-Kind eingeschult hatten, sondern erst als Muss-Kind.

Heute morgen dann direkt der nächste Meilenstein. Ich brachte die kleine Chefin zu einem 3-tägigen Hockeycamp an unseren Hockeyplatz. Dort nimmt sie nun also an diesem Camp mit viel Hockey, viel Spielen, viel Spaß und vielen Freundinnen teil. Vor allem aber mit 2 Übernachtungen im Zelt neben dem Hockeyplatz ohne Eltern. Wir sind daheim. Zwar nur 20 Minuten entfernt, aber eben nicht mit dabei. Natürlich hatte sie sich schon wieder lange darüber den Kopf zerbrochen, ob das auch alles so gut sei. Sie ist da ja immer mehr der Kopfmensch und macht sich über alles Gedanken. Aber heute war alles gut und ich bin mir sicher, dass sie da einfach nur jede Menge Spaß haben wird.

Nun sind wir an der Reihe, uns einen Kopf zu machen. Es ist für uns zwar nicht das erste Mal, dass sie woanders übernachtet, aber bisher immer zusammen mit ihrem Bruder und entweder bei ihrer Tante oder bei Freunden. Aber noch nie ganz ohne Familienbezug. Auch noch nie in einem Zelt. Bestimmt werden wir heute Abend auf der Couch sitzen und uns fragen, wie es ihr wohl geht. Wir werden das Handy immer wieder ansehen, ob wir einen Anruf verpasst haben. Diese Schritte in die Selbständigkeit sind für unsere Kinder wohl nicht weniger aufregend, als für uns selbst. Und wieder einmal zeigt sich, dass die Zeit doch rast und die Kinder so wahnsinnig schnell groß werden.

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Schlagfertig

Natürlich schauen auch wir dieses Jahr wieder die Fußballweltmeisterschaft im Fernsehen an. Die Kinder dürfen auch ab und an mitschauen. Also meistens, nur die späten Spiele nicht. So wie gestern das Halbfinale der Deutschen gegen Brasilien. Immerhin startete es ja erst um 22.00 Uhr. Also fand dieses Spiel ohne Beteiligung der beiden kleinen Chefs statt.

Heute Morgen nach dem Wecken teilten wir ihnen dann das Ergebnis des Spieles mit. 7:1 für Deutschland. Eine echte Klatsche für Brasilien. Die beiden kleinen Chefs jubelten kurz und dann sagte die kleine Chefin mit ihren 7,5 Jahren knochentrocken:

“Immerhin muss Brasilien nicht abreisen!”

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

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Von Ängsten und dem mulmigen Gefühl

Der kleine Chef war schon immer eher der vorsichtige Typ. Nicht, wenn es um Kontakte und andere Menschen geht. Da war er schon immer eher offen und forsch und hat nie wirklich gefremdelt. Die kleine Chefin hatte (und in Teilen hat sie das immer noch) da schon immer mehr Probleme. Sie fremdelte selbst bei sehr gut bekannten Personen wie Oma und Opa, wenn sie diese 4 Tage nicht gesehen hatte. Sie brauchte immer eine gewisse Anlaufzeit, wenn jemand zu Besuch kam oder wir jemanden besuchten. Dafür war sie immer recht mutig wenn es darum ging, sich etwas zu trauen und zuzutrauen. Klettern, Rutschen, Springen. Sie hatte dabei zwar immer ein Augenmaß dafür, wie weit sie relativ gefahrlos gehen konnte, aber sie traute sich da immer sehr viel zu. Im Gegensatz zum kleinen Chef. Auf diesem Gebiet war er immer eher ängstlich. Rutschen, Wasser, Klettern, Springen … alles Dinge, für die er lange Überwindungszeiten braucht.

Nun ist Angst ja grundsätzlich etwas positives. Sie sagt uns “Sei vorsichtig! Pass auf!”. Dabei ist sie oft selbst für uns Erwachsene nicht richtig greifbar. Sie ist nur so ein Gefühl. Wovor hat man denn Angst, wenn man sich vor Spinnen fürchtet? Vor der Spinne ist doch zu platt als Antwort, aber etwas spezifischeres können auch Erwachsene oft nicht artikulieren. Was macht einem denn Angst bei der Spinne? Dass sie beißen könnte? Dass sie einen umbringen könnte? Sicher nicht wirklich. Aber die Angst ist bei vielen da, nur nicht wirklich greifbar.

Schwieriger wird es dann noch, wenn unsere Kinder Ängste haben. Wenn schon wir unsere Ängste oft nicht richtig beschreiben können, wie sollen es dann unsere Kinder schaffen? Aber wie können wir unseren Kindern helfen, wenn sie uns nicht sagen können, wovor sie sich fürchten?

Der kleine Chef hat zur Zeit eine Phase (und ich hoffe inständig, dass es nur eine Phase ist), in der er vor wahnsinnig vielen profanen Dingen Angst hat. Dinge, die ihm noch vor einem halben Jahr oder Jahr keine Angst machten, sondern ihn sogar interessierten. Die Müllabfuhr zum Beispiel. Welcher Junge liebt nicht die Müllabfuhr? Nun, der kleine Chef liebt sie nicht. Zumindest nicht, wenn sie wirklich da ist. Er spielt selbst liebend gerne mit seinem großen Müllauto und er fragt auch interessiert Dinge über die Müllabfuhr. Aber sobald das Müllauto bei uns vorbei kommt, versteckt er sich hinter dem Haus und linst höchstens einmal vorsichtig um die Ecke … aus 10 Metern Entfernung.

Auf dem Sportplatz hatte sich ein Spieler verletzt und es wurde der Krankenwagen gerufen. Alles war wunderbar. Allerdings nur, bis der Krankenwagen kam. Da verschwand der kleine Chef vorsorglich im Clubhaus und traute sich nicht raus. Er beobachtete zwar interessiert durch das Fenster hindurch, aber er wollte unter keinen Umständen raus gehen. Dabei kam der Krankenwagen weder mit Sirene noch mit Blaulicht. Er fuhr langsam und leise vor und auch wieder weg.

Nun war Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr. Wie letztes Jahr. Wie letztes Jahr gingen wir auch wieder hin. Nur diesmal war der kleine Chef erfüllt von Furcht und zuckte bei jeder Kleinigkeit zusammen. Die Vorführung, bei der sie zeigen, wie sie jemandem aus einem Auto bergen konnten wir nicht mehr sehen. Er wollte nach Hause. Im letzten Jahr sah es noch so aus, dass er selbst einen Helm aufsetzte und ein brennendes Auto löschte. Er sah zu, wie ich bei der Übung mit dem Auto half und selbst den hydraulischen Spreitzer und die hydraulische Schere benutzte, um das Auto zu öffnen. Dieses Jahr dagegen glatte Panik in den Augen.

Im Schwimmkurs war er mit einer der Besten. Bis ihm einmal beim Schwimmen Wasser ins Gesicht spritzte. Nicht schlimm, keine Atemnot oder ähnliches. Danach war der Schwimmkurs für ihn gegessen. Er wollte nicht mehr hin und weigerte sich auch, mit uns schwimmen zu lernen. Ins Schwimmbad ja, aber nur mit Gürtel und nur im Nichtschwimmerbereich. Und bloß nicht Schwimmen lernen.

Es ist schwierig für uns, damit umzugehen. Wie kann man ihm helfen? Zu sagen, er brauche davor keine Angst zu haben, kann es ja nicht sein. Sagen Sie mal einem mit Angst vor Spinnen, er brauche davor keine Angst zu haben. Und jetzt? Hilft ihm das? Hinzu kommt, dass der kleine Chef ja eben noch weniger spezifizieren kann, wovor er denn da Angst hat? Klar ist nur, er hat Angst. Irgendwo in seinem Magen knotet sich was zusammen und er bekommt dieses Gefühl. Glücklich ist er damit nicht. Natürlich nicht. Wir auch nicht. Und nicht immer reagieren wir so, wie es vielleicht sinnvoll wäre. Mal ist man in dem Moment vielleicht zu genervt. Mal meint man es zu gut.

Außerdem, welche Reaktion wäre denn sinnvoll?
Zu seinem Glück zwingen? Vielleicht. Vielleicht geht es auch nach hinten los.
Das Ganze ignorieren und seiner Angst “einfach nachgeben”? Ja, vielleicht verwächst es sich ja. Vielleicht aber auch nicht? Vielleicht wird es dann schlimmer?
Versuchen, mit ihm gemeinsam Wege und Strategien zu erarbeiten, diese Ängste zu überwinden? Klar. Nur ist er gerade erst Viereinhalb Jahre alt. Da ist dies natürlich schwer.

Es ist wirklich gerade eine etwas schwierigere Phase und es tut einem auch oftmals in der Seele weh wenn man sieht, wie er sich damit selbst im Wege steht.

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Deutschland heiratet Brasilien

Das Spiel ist aus. Deutschland steht im Halbfinale und wir beginnen so langsam mit unseren Freunden zusammen, den Tisch abzuräumen. Im Hintergrund beginnen die ersten zarten Versuche eines Autokorso. Wir leben nicht direkt in der Stadt, daher halten sich diese hier im Rahmen. Aber ein kleiner Autokorso wurde dann doch erfolgreich gebildet und fuhr hupend vorbei.

Kleiner Chef: “Warum hupen die denn?”
Kleine Chefin: “Das ist eine Hochzeit!”

Ja, Autokorsos nach Fußballspielen sind nicht so ganz unser Betätigungsfeld.

Komm schon, du musst feilschen!

Wenn die kleine Chefin morgens zur Schule aufgebrochen ist, habe ich noch ein paar Minuten Zeit, bevor ich den kleinen Chef in den Kindergarten bringen muss. Die nutzen wir dann meist noch dazu, kurz etwas miteinander zu spielen. Zum Beispiel mit seinem Müllauto, oder mit den Dinos oder der Werkbank. Bei schönem Wetter noch kurz im Garten mit einem kurzen Kick auf das Tor. Er ist dann der Torwart und ich schieße aufs Tor. Kurz bevor wir dann aufbrechen müssen, kündige ich dies schon einmal an, damit es dann keine Enttäuschung gibt. Ich sage dannn zum Beispiel “Noch 5 Schuss, dann fahren wir los!” Oft klappt das sofort, manchmal ist ihm die genannte Anzahl an Schüssen zu wenig. Also dachte ich mir dabei, ich könnte ihn doch auch auf die große weite Welt des Feilschens vorbereiten. Kann man ja immer mal gebrauchen später.

Papa: “Also, kleiner Chef, noch 3 Schuss, dann fahren wir los.”
Kleiner Chef: “Nein, noch 10 Schuss!”
Papa: “Also gut, noch 5 Schuss!”
Kleiner Chef: “Nein, noch 10!”
Papa: “Jetzt müsstest du eigentlich sagen ‘Noch 7 Schuss’.”
Kleiner Chef: “Hm. Noch 7 Schuss.”
Papa: “Okay, noch 7!”
Kleiner Chef: “Hey! Du bist unfair!”

Ich konnte ihm dann glücklicherweise doch noch erklären, dass er mich hochgehandelt hat, wir uns damit geeinigt haben und er sogar besser rauskam als ich, aber dieses Feilschen an sich versuche ich vielleicht in ein oder zwei Jahren noch einmal.

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Freiheit

Aktuelle Lieblingsband der beiden kleinen Chefs sind die Sportfreunde Stiller. Also absolute Lieblingsband. Sie stehen morgens auf und machen deren CD an. Im Auto werden sofort die Sporties gefordert und jeden zweiten Tag summt oder singt einer von beide einen Ohrwurm der Sportfreunde vor sich hin.

Aktuell auch sehr beliebt, deren Version von “Ich war noch niemals in New York”, welches sie ja auf einer CD sogar gemeinsam mit Udo Jürgens singen. Mir persönlich gefällt sowohl die Version der Sporties, als auch das Originial. Ich war ja sogar schon einmal live bei Udo Jürgens (und natürlich auch bei den Sportfreunden), aber ich glaube, ich schweife ab. Auf jeden Fall singen die beiden dieses Lied sehr gerne vor sich hin. Wie so oft, ohne immer so ganz genau zu wissen, was sie da singen.


Kleine Chefin: “Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei, einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehn. … Ich war auch noch nie richtig frei!!!”
Papa: “Weißt du denn, was das heißt?”
Kleine Chefin: “Ne, was denn?”
Papa: “Wenn man komplett das tun kann, was man möchte. Niemand macht einem Vorschriften. Man muss sich um niemanden kümmern. Keine Frau, keine Kinder, keine Eltern, auf die man Rücksicht nehmen müsste. Man kann als einfach so in den Tag leben, ohne an irgendetwas anderes denken zu müssen.”
Kleiner Chef: “Ich will nicht in den Kindergarten! ICH WILL FREI SEIN!!!”

Okay, an dem Erklärkonzept müssen wir noch arbeiten.

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