Es ist einfach beeindruckend, welch komplexe Dinge so ein kleiner Zwerg schon verstehen kann und wie eigenständig Entscheidungen auf Grund dieses Verstehens gefällt werden und wie tapfer diese Entscheidungen dann bisweilen sind.
Die kleine Chefin hat ja seit ein paar Tagen einen Reizhusten, der sie nachts heimsucht und so die Nachtruhe aller stört und dadurch auch die Laune am Tage mitunter etwas aus dem Gleichgewicht bringt. Und da Hustensaft nicht unser Ding ist, haben wir nun auch ein paar Zäpfchen gegen Reizhusten hier.
Gestern Abend war der erste Versuch und leider lief der nicht ganz so glücklich, weil das blöde Ding nicht richtig glitschig geworden ist und im ersten Anlauf auch nicht richtig getroffen hat. Dementsprechend gab es da schon ziemlich dicke Tränen und langes Kuscheln, bevor die kleine Chefin dann ins Bettchen konnte und eine wirklich friedliche Nacht verbringen konnte.
Heute überlegten wir also lange, ob wir es nochmal mit dem Zäpfchen versuchen sollen, oder lieber nicht. Nicht, dass es in einem ähnlichen Kampf wie mit dem Hustensaft endet. Letztendlich trafen wir eine bei einer Zweijährigen eventuell etwas unkonventionelle Entscheidung. Wir beschlossen, die Entscheidung der kleinen Chefin zu überlassen und stellten uns darauf ein, kein Zäpfchen zu geben.
So sollte es sein. Beim bettfertig machen fragten wir also:
Wir: „Die Nacht gestern war ja besser als davor. Du musstest gar nicht husten.“
Zwerg: „Ja“
Wir: „Sollen wir es heute nochmal mit einem Zäpfchen versuchen?“
Pause
Wir: „Wir sind auch ganz vorsichtig.“
Zwerg (zögerlich): „Ja“
Also kramte Papa ein Zäpfchen hervor und da verzog sich die Miene vom Zwerg schon beängstigend. Kaum war das Zäpfchen ausgepackt, begann ein herzzerreißendes Wimmern und Weinen. Bei Mama und Papa zog sich alles zusammen und so fragten wir noch einmal nach:
Wir: „Sollen wir dir ein Zäpfchen geben?“
Zwerg (im Weinen verschluckt): „Ja.“
Also weiter das Zäpfchen vorbereitet, in den Händen erwärmt und geknetet, bis es etwas glitschiger wurde, derweil hat Mama ausgiebig gekuschelt. Aber das Weinen wurde nicht weniger, sondern immer schlimmer.
Zwerg (tränenerstickt): „Papa?“
Papa: „Ja, ich bin da, soll ich dir das Zäpfchen jetzt geben, ganz vorsichtig?“
Zwerg: „Ja.“
Also ganz vorsichtig das Zäpfchen verabreicht, wirkich vorsichtig und dennoch so schnell wie möglich. Danach schnell die kleine Chefin abwechselnd bei Mama und Papa im Arm, bis sie sich beruhigt hatte .. also etwa gute 5 Minuten. Und natürlich ständig gesagt, wie tapfer sie war und wie stolz wir waren und wie toll sie war.
Nun schlummert sie friedlich und hoffentlich vom Husten bis morgen verschont. Und wir sind wirklich tief beeindruckt und berührt, wie klar sie diese Entscheidung getroffen hat, obwohl sie wusste, wie unangenehm es für sie ist. Sie muss also ganz klar den komplexen Zusammenhang verstanden haben, dass diese Tortur ihr letzendlich geholfen hat, eine erholsame Nacht zu haben. Zusätzlich dieses Vertrauen, dass Mama und Papa gerade nur helfen wollen, obwohl sie gerade gefühlt nichts Gutes tun.
Ich kann es immer noch nicht fassen. Sie ist gerade einmal 2 Jahre alt!!!