Die Zeit ist durchaus verwirrend. Nicht nur im Science-Fiction bei temporalen Verschiebungen und Rissen im Raum-Zeit-Kontinuum, nein auch im alltäglichen Leben. Als Erwachsener findet man sich zwar mehr oder weniger damit zu Recht, aber früher hatte man da schon mehr Probleme. Im Deutschunterricht oder Englischunterricht. Ich sage nur Futur 2 (das eine in der Zukunft abgeschlossene Handlung ausdrücken soll), Plusquamperfekt (der sich zum Präteritum ähnlich verhält wie das Perfekt zum Präsens), Conditional II Progressive (Handlung, die möglicherweise in der Vergangenheit eingetreten wäre).
Als Erwachsener wird man dann irgend wann wieder mit den temporalen Verwirrungen konfrontiert. Und das nicht erst dann, wenn das Kindlein in der Schule mit oben genannten konfrontiert wird (obwohl mir davor schon graut), sondern schon viel früher. Nämlich dann, wenn das Kindlein versucht, sich in der Zeit zu Recht zu finden und dabei so einige Zeiten durcheinander wirft. Da muss man schon einmal etwas grübeln, was denn nun überhaupt gemeint ist.
Grundsätzlich ist die Zeit aktuell ein sehr interessantes Thema für die kleine Chefin. Mehrmals am Tag fragt sie, wieviel Uhr denn gerade sei. Mit der entsprechenden Antwort kann sie zwar noch nicht wirklcih viel anfangen, aber sie läuft dennoch sofort los, um in ihrer Küche die Küchenuhr zu stellen. Sie dreht also ein paar mal an den Zeigern, bis diese ihrer Meinung nach die gerade von Mama oder Papa angesagte Zeit anzeigt. Hier hält sich die Verwirrung der Eltern noch in Grenzen. Schwieriger wird es aber, wenn die kleine Chefin etwas erzählen will.
Zum Beispiel antwortet sie gerne auf die Frage, was sie denn heute im Kindergarten gemacht habe mit „Das weiß ich noch nicht.“
Das ist natürlich Quatsch, sollte man denken, da sie dies ja entweder nicht mehr oder gerade nicht weiß. Wenn man nun aber bedenkt, dass sie oftmals zwei Tage später erzählt, was sie an eben jenem Tag gemacht hat, nach dem man sie vor zwei Tagen gefragt hat, dann ergibt das „Weiß ich noch nicht.“ durchaus wieder einen Sinn, wenn auch verwirrend für Mama und Papa.
Einmal daran gewöhnt, nimmt man es eben hin, ohne sich in zu tiefes Grübeln zu versteifen. Nochmals komplizierter wird es aber, wenn sie von sich aus etwas erzählt. Hier nutzt die kleine Chefin aktuell nämlich eine Vokabel, die ausdrückt, dass sie einen anderen Zeitpunkt meint als gerade jetzt. Sie baut dann in den Satz ein „morgen“ ein. Problem dabei ist, dass dies nur ein Ausdruck für „nicht jetzt, sondern wann anders“ ist, aber keinen zeitlichen Hinweis liefert auf wann.
Bedeutungen von „morgen“:
morgen
nachher
demnächst
viel später
irgendwann
gestern
vorhin
neulich
Beispiele:
- „Morgen gehe ich in die Schule“ – „Morgen gehst du in die Schule?“ – „Ja, wenn ich groß bin.“
- „Morgen habe ich Pubaum macht.“ (Gestern habe ich einen Purzelbaum gemacht)
- „Morgen habe ich Müsli gesst.“ (Vorhin habe ich Müsli gegessen)
- „Morgen is Kinderturnen.“ (Morgen ist Kinderturnen)
Man muss also schon etwas nachdenken, welche Zeit die kleine Chefin nun meint. Aber ich denke, dass sie das morgen lernt.

