Wie war ihr schönstes Weihnachten?

Als ich die Kommentare bei unserer Weihnachtsumfrage las, da kam mir eine Idee. Jeder hat doch irgendwelche tollen Erinnerungen an Weihnachten. Entweder ein ganz bestimmtes Weihnachten oder an bestimmte Rituale an Weihnachten, die einem besonders wichtig waren oder sind. Und genau davon würde ich gerne mehr erfahren.

Da ich hoffe, dass dies die Kommentare sprengen würde, fänd ich es klasse, wenn jeder, dem die Idee gefällt, einen entsprechenden Post in seinem Blog verfasst und einfach hierher verlinkt oder in den Kommentaren bescheid gibt (damit ich weiß, wo ich lesen kann).

Also lege ich auch gleich einmal los.

Weihnachten, oder besser Heilig Abend, war bei uns immer ein besonderer Tag, der einige „Rituale“ hatte, die ich einfach genossen habe und die ich zum Teil auch heute noch versuche, zu pflegen. Vormittags kam immer mein Großvater zu uns. Abends sollte es nämlich Fondue geben und dafür mussten natürlich die Saucen gemacht werden. Das hat sich auch bis heute nicht bei mir geändert. Zu Fondue muss es selbstgemachte Saucen geben, gekaufte sind mir ein Gräuel. Auf dem Plan standen immer Eiersauce (damals meine Lieblingssauce), Senfsauce, Teufelssauce (heute meine Lieblingssauce), Cumberlandsauce, Apfelkren, außerdem Kartoffelsalat und Selleriesalat (den ich damals wie heute nicht mochte).

Wenn dann die Saucen und Salate fertig waren, fuhr mein Großvater wieder Heim und wir sahen uns dann später in der Kirche, wenn er mit meiner Großmutter und wir in die Christmette gingen. Wie es im Winter so ist, gingen wir noch im Hellen (oder der Dämmerung) zur Kirche und dann im dunklen Heim. Und deswegen wartete ich jedes Jahr ungeduldig darauf, dass wir eindlich in die Kirche gingen. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir mittags hingehen würden und hibbelte herum, bis es dann endlich später Nachmittag war, bis es losging.

Jedes Jahr endete die Kirche mit dem gleichen Lied. Die Kinder wurden nach vorne gerufen und durften sich dort brennende Kerzen abholen. Als dann alle Kinder Kerzen hatten wurde das Licht ausgeschaltet und es wurde „Stille Nacht“ gesungen. Dabei bekam ich immer eine Gänsehaut, weil die Stimmung einfach passte. Später, als ein neuer Pfarrer in der Pfarrei war, wurde „Stille Nacht“ nach vorne verlegt und am Ende wurde in der hellen Kirche „O du Fröhliche“ gesungen. Das habe ich dann jedes Jahr bedauert.

Nach der Kirche gingen wir dann nach Hause (später dann verblieb ich noch länger im Kirchhof, um mich mit den anderen Jugendlichen bei Glühwein auszutauschen) und mein Bruder und ich wurden auf unsere Zimmer geschickt. Da blieben wir dann, bis meine Eltern alles hergerichtet hatten. Wenn sie fertig waren läuteten sie ein Glöckchen am Weihnachtsbaum und wir durften kommen und es ging los mit der Bescherung. Als wir älter waren verlegten wir die Bescherung auf nach dem Essen, aber als wir kleiner waren war es wirklich fair von meinen Eltern, dass wir nicht bis nach dem Fondue warten mussten. Beim Fondue aß mein Großvater immer ein Stück Rindfleisch roh, was ich mit großen Augen jedes Jahr aufs Neue bestaunte.

Wir hatten wirklich viele schöne Weihnachten und ein wirklich Schönstes kann ich gar nicht definieren, aber an ein Geschenk erinnere ich mich besonders. Mein Vater drückte mir ein Geschenk in die Hand und sagte, dies sei für mich und meinen Bruder. Als ich es ausgepackt hatte, war es eine Fernbedienung für ein ferngesteuertes Auto. Ich sah meinen Vater an und er meinte, es sei zu teuer, ein ferngesteuertes Auto UND die Fernbedienung, deshalb gäbe es das Auto erst nächstes Jahr. Ich glaubte ihm nicht, schaltete die Fernbedienung ein, drückte den Hebel nach vorne und … nichts geschah. Enttäuscht gab ich die Fernbedienung an meinen 4 Jahre älteren Bruder weiter, der sich nicht so schnell abspeisen ließ. Und das mit Recht. Mein Vater hatte vergessen, das Auto auch einzuschalten, deshalb hatte sich nichts getan. Nun stand ich also doof neben meinem Bruder, der erst einmal dieses Geschenk genoss.

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3 Gedanken zu “Wie war ihr schönstes Weihnachten?

  1. Ich bin so frei und nutze dennoch die Kommentarfunktion – allzu viel zu sagen habe ich nicht. Die Weihnachtstradition in meiner Familie besteht hauptsächlich darin, dass meine Mutter den ganzen Tag in der Küche steht, mein Vater sich nicht selbst beschäftigen kann und es dann irgendwann zwischen beiden kracht. Ich decke den Tisch, ärgere mich über die unsägliche Schlagerweihnachtsschleimbeschallung aus dem Radio (Musik kann man diese Grütze ja nicht mehr nennen) und muss mich noch mehrere Male für meine Klamotten rügen lassen. Das Essen (das für mich das beste an Weihnachten ist, traditionell polnisch mit Fischsuppe, gebratenem Fisch mit Salzkartoffeln und Sauerkraut und zum Nachtisch makówki) nach dem Kirchbesuch, den ich boykottiere, wird von meinem Vater runtergeschlungen, der alsbald nach den Geschenken verlangt. Wenn man das auch noch hinter sich gebracht hat, ist Weihnachten vorbei und alle sitzen dumm rum.
    Na ja, das klingt schlimmer als es ist, gebe ich zu. Wirklich schön ist es aber nicht, und so warte ich nur darauf, irgendwann endlich meine eigene Weihnachtstradition beginnen zu können. Ohne Kitsch, ohne Erwartungen, ohne erzwungene Fröhlichkeit. Ich muss mir meine tollen Erinnerungen erst noch selbst machen.

  2. In meiner Kindheit war es immer so, dass am Heiligen Abend das Wohnzimmer abgesperrt war, da das Christkind dieses herrichtet und die Geschenke deponiert. Am Nachmittag ging es in die Kindermette und dann hieß es sich noch bis zum Abendessen beschäftigen. Denn erst nach dem Abendessen gab es Bescherung. Das Abend essen war in der Regel schlicht, da schon an beiden Weihnachtsfeiertagen geschlemmt wurde. Anschließend dann die Bescherung. Das war in der Regel ein Geschenkpapierfetzen und danach war es sehr ruhig. Denn dann wurde alles ausprobiert.
    Am ersten Weihnachtsfeiertag kamen dann Großeltern Nummer 1 zum Essen, brachten natürlich auch Geschenke. Am zweiten waren dann Großeltern 2 dran.

    In den letzten Jahren, bevor ich nun nach Amiland abgedüst bin, hatte ich die Tradition eingerichtet, dass ich am Heilig Abend für meine Eltern gekocht habe (immer etwas Besonderes) und wir gemeinsam zu Abend aßen. Die Großeltern leben nicht mehr, von daher ist das Geschlemme nur noch an einem Weihnachtsfeiertag, zu dem nun die Nachbarn eingeladen sind.

  3. Pingback: Das schönste Weihnachten… « Achtung Löwe!

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