Wie Tag und Nacht

Wie Tag und Nacht ist vielleicht etwas übertrieben, aber es ist schon erstaunlich, wie „anders“ man an die Erziehung des ersten Kindes und des zweiten Kindes (und wahrscheinlich nochmals jedes weiteren Kindes, wenn es diese gibt) geht bzw. wie „anders“ man mit den beiden Kindern umgeht. Das fiel mir schon am allerersten Tag des kleinen Chef auf. Daran, wie locker flockig ich mit ihm noch im Kreissaal umgegangen bin.

Mütter tun sich da ja ohnehin leichter, wir Väter sind froh, wenn wir das erste Kind nicht gleich im Kreissaal irgendwie kaputt machen. „Wollen Sie es mal nehmen?“ fragte die Hebamme bei der kleinen Chefin und ich sagte „Ja klar!“, dachte aber eher „Hilft ja nix, früher oder später muss ich und hier ist zumindest kompetente Hilfe um mich herum.“ Beim kleinen Chef hatte ich da dann schon gar keine Berührungsängste mehr. Köpfchen stützen? Ja klar, macht man schon, denkt man nicht mehr drüber nach. Und er hat es ohne Schaden überstanden.

Dann die ersten Tage daheim. Kind Nummer 1 schreit und man beginnt, eine Checkliste abzuarbeiten. Hast du Hunger? Nein? Bauchweh? Auch nicht? Windel voll? Ne? Müde? Auch nicht? Oh Gott, was sagt denn das Internet dazu?
Kind Nummer 2 schreit: Na was ist los? Hunger kannst du nicht haben, bist du müde, oder? Na dann schlaf doch mal.
Also wenn die kleine Chefin 40 Minuten am Stück geschrien hätte, dann wäre ich davon wohl 30 Minuten im Internet gewesen um zu sehen, ob es was ernstes sein kann oder typisch für das Alter oder, oder oder. Beim kleinen Chef beruhigt man eben 30 Minuten eher beiläufig und blendet den schlimmsten „Lärm“ einfach aus.

Die kleine Chefin lag die ersten Nächte bei uns im Bett. In den Genuss kam der kleine Chef nicht eine einzige Nacht. Die kleine Chefin wurde dann beim Einschlafen so lange betüdelt, bis sie eingeschlummert war. Da wurde sie beruhigt, der Schnuller wieder gegeben, gestreichelt. Pucken? Nie im Leben. Das arme Kind. So einzuwickeln, dass es sich nicht bewegen kann. Freiheit für die Babys! Der kleine Chef schläft nicht ein und rudert hektisch rum? Na denn los … einpucken. Immer noch hektisch? Fester pucken!

Die kleine Chefin wurde dann mit ein paar Monaten ins eigene Zimmer geschoben, weil wir uns gegenseitig immer wieder weckten und keiner ausgeschlafen war. Der kleine Chef ist nun schon mit 2 Monaten nicht mehr in unserem Zimmer zu finden, sondern schläft bei der kleinen Chefin im Zimmer. Und zwar liegt er da nun schon jeden Abend um 20.00 Uhr. Eben dann, wenn auch die kleine Chefin im Bett liegt. Die kleine Chefin war so lange abends bei uns auf der Couch, bis wir ins Bett gingen und wurde erst dann ins Bett gesteckt.

Und da heißt es immer, die Zweitgeborenen hätten es leichter. Später stimmt das wohl, da wurden schon viele Kämpfe mit den Eltern durch das Erstgeborene ausgetragen, aber so im Kleinkindalter haben es die Zweiten definitiv nicht leichter. Im Gegenteil. Da wird deutlich weniger betüdelt. Zum einen, weil weniger Zeit ist, schließlich will auch noch ein anderes Kind Aufmerksamkeit und zum anderen, weil einfach vieles gelassener gesehen wird und man nicht mehr immer sofort springt. Und auch ein gewisser Egoismus macht sich bei den Eltern nun deutlicher bemerkbar, als anfangs beim ersten Kind.

Advertisements

7 Gedanken zu “Wie Tag und Nacht

  1. Hallole,
    kann ich bis auf zwei Sachen „unterschreiben“:
    1) Internet hatten wir bei unserer Nr.1 noch nicht.
    2) Pucken kannten wir damals (wie sich das anhört 🙂 auch noch nicht.

    • Hallo Michael und willkommen. Ja, „damals“ klingt immer merkwürdig, wenn man es selbst in den Mund nimmt 😉

  2. Ich freu mich schon auf die nächtlichen Internet-Stöbereien für unsere Erste und bin ein bisschen neidisch auf Eure relaxte Zweitkind-Einstellung 😉

  3. Halli-hallo…
    ich verfolge Euren Blog schon länger, aber jetzt muß ich mich melden…
    Euere Artikel sprechen mir soooo aus der Seele.
    Bei uns ist es genauso. Die Tochter (erste) war ein Schreikind. Wir betütelten und betutelten was das Zeug hielt. Beim Sohn (zweiter)hieß es nach dem abchecken aller Möglichkeiten: „dann schrei halt“…
    Ist man beim zweiten abgestumpfter? Keine Ahnung, zumal unser zweiter leicht behindert ist. Trotzdem sind wir längst nicht so hippelig wie beim ersten Kind.
    Die Geschichte mit dem Bett-gehen lief ähnlich ab. Wir richteten uns mit Schlafengehen nach der Tochter und beim Sohn: der wurde rigoros um acht verräumt. Ins eigene Bett, ins eigene Zimmer ohne viel Tamtam. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wir finden, mit dem „zweiten“ geht alles einfacher, leichter, schneller… man weiß was man will und wie man es kriegt („ich will den Film heut Abend sehen“… der geht um 20.15 Uhr an. Die Zwerge müssen um acht im Bett sein – was sie dann auch waren). Bei der Tochter hätten wir den Film aufgenommen und irgendwann gekuckt und beim Sohn wurde der Film angesehen, weil er dann tatsächlich um acht im Bett war ….
    Ich freu mich schon auf die nächsten Geschichten über Euere Racker…
    LG
    claud

    • Hallo Claud,
      auch dir ein herzliches Willkommen hier 🙂
      Ich glaube, beim Zweiten ist man zum einen ruhiger, weil man schon gelernt hat, dass eben vieles bei weitem so schlimm ist, wie man es sich beim Ersten gleich ausmalt. Zum anderen baut darauf auch ein gewisser Egoismus wieder auf. Beim Ersten verzichtet man auf vieles, weil alles so neu und aufregend ist und man sich viele (auch unnötige) Sorgen macht. Beim zweiten hat kommt dann wieder ein „gesundes“ Ich-Gefühl auf.
      Immerhin verdanken wir aber auch dem nach unserer Tochter richten (beim Schlafen gehen), einen DVD-Rekorder. Somit konnten wir die 20.15 Uhr Filme dann zeitversetzt ab 20.30 oder so sehen 😉

  4. Guten Morgen!
    Dein Eintrag hat gestern abend auf dem Sofa (das wir seit zwei Wochen wieder ganz für uns haben *lach*) noch für Gesprächsstoff gesorgt. Die gleichen Gedanken haben wir uns nämlich auch gemacht. Bei mir war es zB schon lange vor der Schwangerschaft so, dass ich mir bei manchen Sachen dachte „DAS machen wir bei zweiten anders…“ Weil man es dann besser weiss und weil man manches anders machen würde (zB würde auch ich beim zweiten nicht mehr zwangsläufig dabei sitzen, bis es eingeschlafen ist, das ist ein so ein Punkt)

    Und ansonsten stimme ich Dir zu: es ist eine Mischung aus Egoismus (den man sich, in gewissem Masse, einfach bewahren muss) und „Besser-Wissen“ als beim Ersten.

    Bin schon jetzt gespannt, ob es bei uns auch solche Unterschiede geben wird – oder ob es bei den Vorsätzen bleibt 😉

    Liebe Grüsse
    Nicole

  5. *pruuuuust*
    ich bin mir so sicher, dass du recht hast. auch ohne zweiten zwerg 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s