Das Scheitern der Väter

Ich bin ja hier in der Bloggerwelt so ein gewisser „Außenseiter“. Die allermeisten Blogs, die sich mit dem Thema Familie und Kinder befassen, werden von den Mamas geführt und gepflegt. Vielleicht sorgt dieser Post dadurch für etwas Unverständnis oder für Missverständnisse oder vielleicht hilft er aber auch, etwas mehr Verständnis zu schaffen. Ich weiß es nicht. Zumal ich noch nicht genau weiß, wie ich den Artikel formulieren soll, um wirklich das auszudrücken, was ich sagen will und vor allem es so auszudrücken, dass es auch so verstanden wird, wie ich es möchte. Aber ich versuche es einfach mal, mal sehen, was dabei raus kommt.

Wir Väter haben ja immer wieder den Ruf, dass wir mit Kindern erst so richtig was anfangen können, wenn sie Fußball spielen können. Dieses Klischee ist zwar etwas übertrieben, aber wie an jedem Klischee, so ist auch an diesem so ein kleiner Kern Wahrheit dran. Anfangs hinken wir den Mamas meilenweit hinterher, was den Umgang mit unseren Kindern betrifft. Daran wird sich auch nie etwas ändern. Und das, obwohl wir (zumindest viele von uns), daran wirklich gerne etwas ändern würden. Und wir arbeiten daran. Wir arbeiten hart daran und wir scheitern immer wieder mehr oder weniger kläglich. Aber wir versuchen natürlich, uns dies nicht anmerken zu lassen. Aber wir scheitern immer wieder an einfachsten Situationen und das schmerzt.

Ein Beispiel:
Wenn sich ein Baby ins Brüllen reinsteigert, weil es zum Beispiel übermüdet ist, dann soll man es ruhig in den Arm nehmen und mit ruhiger Stimme mit ihm sprechen. Dabei selbst ruhig bleiben, um das Kleine nicht mit Nervosität anzustecken. Dabei auch nicht ständig die Position des Babys verändern, sondern die Möglichkeit bieten, sich zu beruhigen und nicht mit weiteren Reizen zu überfordern. Und genau das tun wir. Wir sind ruhig. Wir sprechen mit ruhiger Stimme mit dem Baby und wiegen es sanft im Arm. Und was passiert? Nichts. Das Baby schreit und schreit und schreit. Irgendwann kommt dann Mama und nimmt das Baby in den Arm. Ratlos und dankbar gibt Papa das Baby ab und nach etwa 2 Minuten herrscht Stille im Haus. Das Baby hat sich beruhigt. Und was hat Mama anders gemacht? Nichts! Gar nichts! Und als Papa steht man da, lächelt seelig, weil sich das Kleine beruhigt hat. Aber ganz tief im Innern, da zweifelt man. Man zweifelt an sich. Eben weil man alles richtig gemacht hat und genau so gemacht hat, wie Mama, nur ohne Erfolg. Und es nagt das Gefühl, zu doof zu sein, das eigene Kind zu beruhigen. Klar ist das Quatsch. Die Bindung zwischen Mama und Baby ist einfach schon 9 Monate älter, als die Beziehung zwischen Papa und Kind. Und es liegt auch in den Genen, dass Mama besser beruhigen kann als Papa. Das wissen wir. Trotzdem bleibt der Zweifel.

Leider beginnt damit aber auch eine Art Teufelskreis. Man versucht beim nächsten Mal, es besser zu machen. Einfach, weil wir es den Mamas, viel mehr aber uns selbst beweisen wollen, dass wir nicht zu blöd dafür sind. Wir sind gute Väter. Aber sind wir gute Väter, wenn wir nicht einmal unser eigenes Baby beruhigen können? Mag sein, aber die Stimme in einem flüstert die Zweifel. Und dann beginnt man, sich beobachtet zu fühlen. Man hat das Baby im Arm, alles ist in bester Ordnung und ein kleines Knötern ertönt und man merkt, wie einem Mama nachsieht. Wahrscheinlich genießt sie einfach den Moment und ist glücklich, welch einen tollen Mann sie da hat, der einen so tollen Vater abgibt. Die Stimme des Selbstzweifels aber, die da mittlerweile in einem wohnt, die flüstert „Sie schaut kritisch. Sie denkt, du machst was falsch“ Das tut sie gar nicht und wir wissen, dass sie es nicht tut, aber der Selbstzweifel wächst.

Natürlich ist das Quatsch, aber diese Stimme ist es, die uns Männer antreibt. Durch den Selbstzweifel stellen wir uns immer wieder in Frage und treiben uns somit zu besseren Leistungen an. Egal, ob im Sport oder im Job. Da funktioniert das auch einwandfrei, aber nicht im Umgang mit Babys. Aber das verunsichert uns. Wir verstehen nicht, wieso das da nicht funktioniert. Und wir haben das Gefühl, dass es funktionieren müsste. Ähnlich, wie Teenie-Mädels ein völlig verzerrtes Frauenbild als Idol erhalten, weil es ihnen von jeder Zeitschrift, aus jedem TV-Spot, jedem Katalog und jedem Plakat ihnen so entgegenspringt. Ähnlich scheitern wir an dem Bild des neuen Mannes und Vaters, der Elternzeit nehmen kann, der sich genau so um die Kinder kümmern kann wie Frau. Vielleicht scheitern wir da nicht in den Augen der Frau, aber in unseren eigenen Augen scheitern wir jeden Tag ein kleines bisschen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Papa abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Gedanken zu “Das Scheitern der Väter

  1. Das ist jetzt hoffentlich nur ein vorübergehendes Stimmungstief und auf einen schlechten Tag zurück zu führen, oder?

    Einen Tipp habe ich aber trotzdem: Passen Sie auf, dass Sie sich nicht auf einmal dann selbst gefallen, wenn der Nachwuchs mal mehr am Papa als an der Mama klemmt, wenn ihn etwas bedrückt. Das wurmt die Damen sicher sehr, da muss man ihnen als moderner Mann von heute tapfer moralisch wieder aufbauen!

    [Und: »Na, na, na« zu Satz zwei! ;-)]

  2. Gegenbeispiel: Ich, Mama, beruhige das schreiende Bündel noch und nöcher, aber es tut sich nichts. es schreit. Dann kommt da der gut gelaunte Papa um die Ecke, nimmt sich den Kleinen, schaukelt ihn kurz und was is? Ruhe! Was hab ich falsch gemacht? Nichts! Gar nichts!

    Wie man sieht… Mann und Frau, Papa und Mama zweifeln ständig an sich und ihrem Können. aber Babys interessiert es nicht, wer was besser kann. Sie bewerten nicht, sie brauchen.

    was ich damit sagen will… DU bist sicher ein toller Papa. Das werden dir auch deine Kinder bestätigen. 😉

    Und ich bin froh, dass du bloggst. Is doch mal was schönes ein Papablog zu lesen. 😉

  3. Hier genauso, mein Mann ist hier der Babyflüsterer 😉

  4. Oh, Herr Papa, ich hab dich im Umgang mit deiner Tochter live erlebt. Ich kenne nur wenige Väter, die sich richtig gerne an der Kindererziehung beteiligen, denen man es ansieht, wie sehr sie sich um die Kinder bemühen, die herzensgut sind und auch noch ein Händchen für ihre Kinder haben. Aber du zählst zweifelsohne dazu. Ihr seid eine kleine Bilderbuchfamilie und du trägst dazu genau den gleichen Teil dazu bei, wie deine Frau und eure Kinder.

    (und hier übrigens auch so.. ich wiege und schaukle und kuschle das Baby, das Kind schreit. Der Vater kommt und schunkelt nur ein paar Minuten und das Kind ist ruhig…)

  5. Also was ich hier so lese, lässt auf einen 1A-Papa schließen, kleinere Ausnahmen mal außer acht gelassen. Von meinem eigenen Vater kann ich sowas leider nicht behaupten 😦 !

  6. Hallole,
    hier ist noch einer 😉 !
    Nix mit „Es kann nur einen geben“ 😉

    Aber zum Thema:
    Ja und Nein!

    Ja, genau so habe ich es auch teilweise / häufiger erlebt.
    Babies und Kleinstkinder reagieren instinktiv und gewohnheitsmäßig (Geruch, Herzschlag, Weichheit, etc.) und sind daher eher oder leichter durch ihre Mama’s zu beruhigen. Besonders wenn die Papa’s wenig bis keine Routine haben.
    Da stehst dann schon mal dabei und denkst: Hier biste überflüssig!

    Aber auch Nein, ich habe es, wie oben schon beschrieben, auch erlebt, dass Frau Mama „ewig“ mit dem Baby herummacht, trotzdem keine Ruhe einkehrt und es mal schneller, mal langsamer auf meinem Arm ruhig wird und einschläft. (Ich hab’s aber auch schon mal ne halbe Stunde und mehr herumgetragen oder auch wechselweise mit Frau Mama die Runden gedreht, bis das Kleine auch das Ruhige war!)

    Ich denke schon, dass Babies in den ersten Lebensphasen einfach aus offensichtlichen Gründe eher oder leichter von ihren Mamas zu stillen (im Sinne des Wortes) sind.
    Aber wie auch die Gründe, warum ein Baby schreit, nicht immer die gleichen sind (Müde, Hunger, Bauchweh, krank, Pups sitzt quer, etc.), so ist es auch nicht immer die gleiche Person, die den Schreihals dann beruhigen kann. Und manchmal hat es mit der Person auch gar nicht zu tun.

    Ich bewundere jedenfalls immer (mehr) die Geduld, die die Mama’s aufbringen (jedenfalls meine Frau Mama, also ich meine nicht meine Mama, sondern meine Frau, die Mama meiner Kinder, ehem …). Das ist bei mir doch sehr stark tagesformabhängig und meistens deutlich (!) schneller am Ende als bei ihr.
    Also, ein Hoch auf die Mamas 🙂 (Ich hätte vielleicht doch den Glühwein erst nach dem Kommentar trinken sollen – Labertasche! 😉 )

  7. Hallo, ich wieder…

    und was den klasse Papa vom nicht-klasse-Papa unterscheidet, ist, daß er trotzig dem leisen Stimmchen die Sprecherlaubnis verweigert und weitermacht. Nicht aufgeben, auch die vergeblichen Versuche zahlen sich aus!
    Bei uns gab es Phasen, da half nur Mama. Dann kamen die Phasen, da half nur Papa und Mama konnte einpacken.
    und der Vater der inzwischen aufgegeben hätte, hätte in der Papa-Phase echt was verpaßt. und wenns nur die entsetzte Miene der Mama ist, hihi…

  8. ich mach n anderes Bsp draus:
    Oma hat das Kind aufm Arm, das unruhig ist und schreit
    sie schaukelt es, sie redet mit ihm, sie versucht alles zu machen um das Kind zu beruhigen, weil sie ja mehrfache Mutter ist, sollte ihr das doch gelingen …
    tut es aber nicht

    ich finde es toll, das du ein ‚echter‘ Papa bist und nicht nur ein ‚Vorzeigepapi‘ bist … mach weiter so und verzage nicht und stell dich nicht in Frage ob du dies oder jenes richtig machst … manches ist auch bei den Kindern von der Stimmung abhaengig … und nicht immer bekomme ich als Mutter das Toechterchen in die Ruhe, sondern dann der Papa … 😉

  9. Dank euch allen, aber so war das gar nicht gemeint. Das sollte kein „Jammerpost“ werden. Auch wenn in eben diesen Momenten schon ein gewiser Frust einsetzt. Aber der setzt da eben bei jedem ein.

    Ich wollte eigentlich versuchen zu zeigen, warum wir Väter uns ab und an einfach blöd vorkommen, wenn wir mit unseren Babys zusammen sind und das erst besser wird, wenn sie älter werden. Das ist natürlich kein permanenter Zustand, aber er kommt immer wieder vor und ich bin überzeugt, dass er bei den Vätern häufiger vorkommt, als bei den Müttern. Einfach, weil evolutionär die Bindung gerade am Anfang zwischen Mutter und Baby enger ist als zwischen Vater und Baby. Die gesellschaftliche Entwicklung war da aber schneller, als die evolutionäre.

    In der Tat war der Anlass für den Post schon genau eine solche Situation, aber keine Bange, ich stürze dadurch nicht in eine Krise. Aber in so einem Moment komme ich mir einfach überflüssig vor. Aber es gibt auch genug Momente, in denen das nicht so ist. Diese häufen sich aber dann immer mehr, je älter die Kleinen werden.

  10. Hallo lieber Papa
    ich schließe mich dem Kommentar von mairym an. Es gibt immer Phasen wo die Mama oder der Papa gebraucht wird.
    Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern wo die große ihre Zähne bekam. Nichts hat geholfen (kein wiegen, rumtragen etc) ich war am Ende und wußte nicht mehr weiter. Als dann mein Noch-Mann die große auf dem Arm hatte war sie urplötzlich ruhig und schlief.

    Kinder sind so. Das du dich in manchen Phasen überflüssig vorkommst kann ich verstehen. Es wird aber eine Zeit geben da bist du die „Nr.1“ und die Mama wird die „zweite Geige“ spielen.
    Also verbanne diese kleine Stimme in deinem Inneren.

    Du bist bestimmt ein toller Papa (ich wünschte mein Noch-Mann wäre etwas so wie du…) und ich bin froh das du diesen blog hast. Es macht Spaß ihn zu lesen und den Alltag mit Kindern mal aus der Sicht des Papa’s zu erleben.

    lg vollblutmami

  11. Was wären die Mamas ohne die Unterstützung von so tollen Papas? Auch wenn mann (oder auch frau) sich mal überflüssig fühlt, es ist einfach schön und fast schon zu perfekt um wahr zu sein, wenn beide sich ergänzen.
    Danke für den Artikel, ich hab mir darüber auch schon Gedanken gemacht, denn der zukünftige Püppi-Papa war auch der Meinung die Kleine bräuchte ihn doch am Anfang gar nicht so doll wie mich. Ich bin mir sicher, genau dieser Gedanke unterscheidet die „guten“ von den weniger guten Papas.

  12. Nun, in den eigenen Augen scheitern auch wir Mamas immer und immer wieder, auch wenn es von aussen keiner so sieht. In dieser Hinsicht sehe ich keinerlei Unterschied ziwschen Mamas und Papas. Obschon ich den Rest des Textes sehr gut nachvollziehen kann.

  13. Bei uns ist es genau wie bei Euch.
    Und der Göttinnenmacher macht nichts falsch.
    Ich glaube, das kommt durch das Stillen.
    Funktioniert wie mit Katzen, die wollen immer in der Nähe desjenigen sein, den sie als ihren Hauptdosenöffner halten und Babys lieben offensichtlich den Gedanken, das sie sich ganz nah an der Milchbar aufhalten und könnten wenn sie wollten.
    Dafür kuschelt die Kleine Göttin morgens im Bett lieber noch mit ihrem Papa und nicht mit mir.

  14. Hallo Papa,

    ich kann mich teils meinen Vorrednern anschließen. Es wird immer Phasen geben wo der eine Elternteil mehr gebraucht wird als der andere. ich erlebe es mit meinem Partner auch immer wieder. Derzeit ist er hoch im Kurs und es heißt überall nur Papa macht,Papa soll,… etc. das ändert sich auch wieder 🙂 Also kopf hoch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s