Nunc finem Latini nostri habemus

Ich gebe zu, ich war in Latein nie gut und die Mama auch nicht, aber nun sind wir mit unserem Latein am Ende. Die kleine Chefin ist derzeit einfach schräg drauf, aber warum, das vermögen wir nicht wirklich herauszubekommen.

Natürlich haben wir ein paar Ideen, aber das Problem ist, dass wir aus der kleinen Chefin nicht so recht rausbekommen, was wirklich los ist. Wenn man offene Fragen stellt, bekommt man keine Antwort oder nur ein gedrücktes „Weiß ich doch auch nicht.“ Bei geschlossenen Fragen bekommt man zwar (zumindest für ein paar Fragen) auch Antworten, das Problem ist aber, dass dies dann fast immer zwangsläufig Suggestivfragen werden, wenn man etwas genaueres erfahren möchte.

Die Möglichkeiten, auf die wir tippen sind grundsätzlich die, dass sie derzeit nicht so ganz mit dem kleinen Chef klar kommt. Also dass eine gewisse Eifersucht da ist, die aber nicht agressiv auftritt. Oder dass im Kindergarten irgendetwas ist, was ihr zu schaffen macht. Also haben wir auch vorsichtig versucht, in diese Richtungen zu forschen. Aber das, was man so nach und nach aus ihr rausbekommt muss natürlich auch noch gefilter werden, da dort sicherlich auch das eine oder andere nicht 1 zu 1 der Realität entspricht.

Den kleinen Chef liebt sie eigentlich. Aber zumindest sagte sie heute schon einmal, dass es sie stört, wenn er schreit. Aber wenn er nicht schreit, dann fände sie ihn gut. Fraglich, ob das so alles ist, aber mehr konnten wir da noch nicht erfahren. Auf jeden Fall ist sie teilweise eifersüchtig. So findet sie es nicht ganz so toll, wenn der kleine Chef mal mit Mama, Papa, Opa oder Oma shakert statt mit ihr. Dann versucht sie sofort ihn wieder dazu zu bewegen, sie anzuschauen und mit ihr Quatsch zu machen.

Im Kindergarten, so sagte sie neulich, würde niemand mit ihr spielen. Das können wir aber so auch nicht so ganz glauben. Sicher ist, dass sie derzeit ein Problem hat, auf Leute zuzugehen und sie anzusprechen. Selbst mit Dida, Doda, Oma und Opa will sie zum Beispiel auch am Telefon nicht einmal „Hallo“ sagen. Oder wenn sie ihnen etwas erzählen soll, dann stellt sie sich da auch auf stur. Auch im Kinderturnen, bei der Anwesenheitsüberprüfung, ist sie die einzige, die nicht „Ja“ ruft, wenn ihr Name aufgerufen wird. In so fern ist es durchaus denkbar, dass sie ab und an mit jemandem spielen will, diesen aber nicht anspricht und deswegen auch kein gemeinsames Spiel zustande kommt. Andererseits ist sie scheinbar durchaus beliebt bei den anderen Kindern. Immerhin durfte sie sich im Kindergartenfreundebuch eines Kindes schon direkt als Zweite eintragen. Bei einem Jungen, der schon ein Jahr im Kindergarten ist, ist sie von den „Neuen“ die Dritte, die sich eintragen durfte – bei einem Jungen und als erstes Mädchen des neuen Jahrgangs!!! Als ich einmal beim Basteln eine Mutter kennenlernte, stellten wir uns mit Namen und Namen des Kidnes vor. Beim Namen des Jungen fiel bei mir kein Groschen, da die kleine Chefin ja nix daheim erzählt. Aber als ich ihren Namen nannte, wusste die andere Mutter sofort bescheid wer sie war und schien nicht im geringsten negativ berührt zu sein. Daher können wir uns nicht vorstellen, dass sie von den anderen Kindern nicht akzeptiert oder gar ausgegrenzt wäre.

Was sie anscheinend beschäftigt ist, dass in ihrer Gruppe ein Mädchen ist, welches durchaus mal haut oder beißt. Laut der kleinen Chefin wurde sie auch schon einmal von ihr gehauen, aber wohl nicht so fest und das Mädchen bekam auch von einer Betreuerin geschimpft. Angeblich, laut unserer kleinen Chefin, wurde sie auch wirklich nur einmal gehauen, aber sie sagte, dass sie es nicht mag, wenn andere Kinder gehauen werden. Nun glauben wir nicht, dass dieses Mädchen jeden Tag haut, aber es kommt wohl ab und an mal vor. Wir glauben allerdings durchaus, dass unser Kind so sensibel ist, dass sie es wirklich nicht mag, wenn andere gehauen werden. Dass dies aber der Grund für ihre derzeitige Verfassung ist, glauben wir wiederum nicht.

Hier werden wir nun mal im Kindergarten nachfragen, wie sie das dort so sehen. Elterngespräch war für März geplant, aber vielleicht ziehen wir das vor oder versuchen zumindest vorab schon einmal etwas zu erfahren.

Den Kindergarten an sich findet sie nämlich gut. Sie hat eben noch mal gesagt, dass sie sich auf morgen freut, weil dann wieder KiGa ist. Und am Freitag ist Faschingsfeier und ihre Augen leuchteten sofort und sie sagte „Da gehe ich als Prinzessin“ (ja, wir haben es geschafft, vom Riesen abzukommen).

Es ist also wirklich schwer einzuschätzen, was sie derzeit hat. Fakt ist, dass sie merkwürdig drauf ist. Sie isst ungern. Wird nachmittags schnell knatschig und weinerlich. Wirkt dann auch deprimiert oder traurig. Manchmal scheint sie einen geringen Anlass, den sie vor wenigen Wochen komplett ignoriert hätte, zu nutzen um zu weinen, ohne den wahren Grund zu nennen (zu wollen oder zu können).

Vielleicht macht sie ja wirklich einen Schub. Oder sie hatte mal einen schlechten Tag und dabei gemerkt, dass wir dann nachsichtiger waren und sie nutzt dieses derzeit aus. Aber vielleicht ist eben auch was anderes. Nur was, das finden wir derzeit nicht raus. Und das macht uns wirklich zu schaffen.

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10 Gedanken zu “Nunc finem Latini nostri habemus

  1. Ohje, ich hoffe, es geht bald wieder besser – euch allen 🙂

    Hatte eben beim Lesen den Gedanken, dass das mit dem KiGa und dem kleinen Chef zusammen hängen könnte. Also dass sie es nicht mag, wenn er schreit, weil vielleicht andere Kinder im KiGa laut geweint haben, als sie von dem Mädchen gehauen/gebissen wurden. Vielleicht besteht da ja ein Zusammenhang.

    Vielleicht geht das Mädchen auch gerade auf Kinder los, die auffallen und die kleine Chefin möchte sich am liebsten ganz klein machen, damit sie nicht auch auffällt, da es für sie doch schlimmer war, gehauen zu werden (auch wenns nur einmal war…)

    Oder sie wurde von dem Mädchen gerade angegriffen, als sie (die kleine Chefin) es angesprochen hat… also will sie jetzt auch auf andere Menschen ungern zugehen.

    *lauter Ideen aufschreib*
    Ich hoffe wirklich, ihr findet bald die Ursache und könnt sie beseitigen 🙂

  2. Hmm….vielleicht ist es auch einfach nur ein bißchen von allem und das ist in der Masse ja ne ganze Menge was die Kleine so zu bewältigen hat. Da kann man nicht sagen was genau es eigentlich ist, aber es ist einfach too much

  3. Schwierig – aber hier auch nicht unbekannt. Wir tippen auf den kleinen Bruder. Nicht, dass er das „Problem“ ist, aber die Tatsache, dass er Zeit und Aufmerksamkeit bindet, die vorher exklusiv für den Großen war; verbunden mit der Angst, dass da vielleicht noch eins kommt – schließlich ist ja schon ein Geschwisterchen gekommen, warum sollte da nicht noch eins auftauchen (in seinem Freudeskreis sind sehr viele Drei- und Mehrkindfamilien). Dann sehen wir uns lose nach einer neuen Wohnung um, besichtigen das ein oder andere – in unserer Nachbarschaft sind zwei seiner Freunde erst kürzlich weggezogen – wir vermuten, dass er sowas wie „Zukunftsangst“ hat, er Bammel vor Veränderungen hat, die er nicht steuern kann (wir haben ihn vorher nicht gefragt, ob er einen kleinen Bruder will 😉 )

    Vielleicht gabs auch bei Euch oder im näheren Umfeld einfach (zu) viele Veränderungen, die ihr zu schaffen machen – die sie nicht für sich klar kriegt. *Hao – die Hobbypsychologin hat gesprochen! 😉

  4. Vielleicht sollte die kleine Chefin einen Mama-Tag oder einen Papa-Tag ganz für sich bekommen. Da macht Papa oder Mama den ganzen Tag etwas nur mit der kleinen Chefin (zB. ins Schwimmbad, was Backen, Waldspaziergang, usw) so könnte Mama oder Papa vielleicht mehr von der kleinen Chefin erfahren und sie hätte wieder das Gefühl mehr im Mittelpunkt zu stehen, als vielleicht zur Zeit. Am Ende des Tages wird sie dann vielleicht selbst merken wie sehr sie den kleinen Chef auch vermisst hat (wenn er nicht schreit 😉 )

    • An sowas haben wir auch schon gedacht. Allerdings befürchten wir, dass dies derzeit bei ihr nicht so gut ankäme. Wenn man sie fragt, ob sie etwas ohne oder mit kleinem Chef machen will, dann immer mit. Wir wittern hier also das Risiko, dass sie einerseits dann Mama oder Papa nur für sich hätte, sie aber gleichzeitig damit hadert, dass der kleine Chef aber auch jemanden alleine für sich hat und befürchtet, da was zu verpassen.

  5. Hm. Das ist vielfältig. Scheint ja eine wirklich anstrengende Zeit zu sein, für beide Seiten. Ich halte es aber schon für möglich, dass sie einen Entwicklungsschub durchmacht und sich deshalb innerlich zerrissen und uneins fühlt. Sie wird es selbst nicht so recht wissen, was los ist. Das geht einem ja selbst auch manchmal so, dass man einen schlechten Tag hat und eigentlich nicht weiß warum.

    Ich drücke die Daumen, dass es bald vorüber ist 🙂

  6. Die Idee mit dem Papa/Mamatag find ich klasse. Macht das doch mal, so wie früher…

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