Abgestürzt

Da war sie nun also. Endlich. Lange hatte sie darauf hingefiebert. Kalt und weiß ragte der Gipfel aus den Wolken in die Sonne. Beschwerlich würde er werden, der Aufstieg. Und gefährlich. Aber sie war vorbereitet. Sie hatte lange und hart für diesen Tag trainiert. Sie würde die erste sein, die ihn bezwingen würde, den Mount Lokus[1]. Viele vor ihr hatten sich an diesem mächtigen Berg versucht und alle waren gescheitert.

Sie machte sich gleich früh morgens auf den Weg. Bevor die restlichen Expeditionen die Route belagern und sie behindern würden. Ihre Crew[2] würde im Basislager warten und für sie da sein, sollte etwas passieren. Aber was sollte schon passieren, sie hatte doch alles im Griff. Und sie kam auch gut voran. Die erste schwierige Passage hatte sie bereits gemeistert, den Überhang. Das war der Einstieg in ihre Route und sie hatte keine Probleme. Was sollte nun noch passieren? Ihre Ausrüstung[3] war mit Sorgfalt ausgesucht und zusammengestellt.

Der Gipfel war nun schon zum greifen nah. Sie war schnell voran gekommen. Schneller als sie gedacht hatte. Was würde ihre Crew im Basislager gerade im Moment machen? Wahrscheinlich wären sie noch beim rasieren und wüssten gar nicht, wie weit sie schon vorgedrungen war. Doch sie wischte die Gedanken beiseite, sie musste nun hellwach und konzentriert sein und sich nicht mit anderen Gedanken ablenken. Doch es war schon zu spät. Einen kleinen Moment war sie unachtsam gewesen und hatte einen Fuß nicht vernünftig gesetzt. Sie rutschte. Sofort war ihr klar, das war es, sie war gescheitert, aber noch kämpfte sie dagegen an, versuchte wieder Halt zu finden. Aber ihre Hände griffen ins Leere und ihre Füße konnten sich nicht in den glatten Untergrund des Berges stemmen. Im nächsten Moment stürzte sie in eine Gletscherspalte[4]. Noch im Fallen setzte sie den Notruf ab, damit ihre Crew sofort mit der Rettungsaktion starten konnte. Nun zählte jede Sekunde. Kopfüber fiel sie weiter in die Tiefe und stieß sich unsanft den Hinterkopf an der Wand der Gletscherspalte[5]. Im nächsten Moment endete ihr Sturz abrupt und unsanft, als sie mit Kopf und Schulter auf dem Boden der Spalte aufschlug. Hoffentlich würden sie sie hier finden. Zum Glück blutete sie nicht, aber sie würde ein ordentliches Horn am Hinterkopf haben.

Ihr kam es vor wie eine Ewigkeit, aber ihre Crew arbeitete sich schnell bis zu ihr vor und zog sie vorsichtig aus der Gletscherspalte und kümmerten sich um sie. Den physischen Schmerz würde sie schnell überwinden, aber der psychische Schmerz gescheitert zu sein würde länger anhalten. Auch der Schreck saß tief. Aber sie wusste jetzt schon, sie würde es wieder versuchen.


[1] Die Toilette im unteren Bad
[2] Papa und Mama
[3] Nachthemd und das Buch „Conni im Kindergarten“
[4] Die Lücke zwischen Toilette und Dusche
[5] Die Kante der Glas-Duschwand

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5 Gedanken zu “Abgestürzt

  1. Genau so muss es sich wohl für eine kleine Entdeckerin anfühlen *kicher*
    Ich wünsch viel Glück für die nächste Expedition, vielleicht sollte sie Steigeisen (Socken mit Antirutschnoppen) in ihr Equipment mit aufnehmen?

  2. Köstlich und dann noch Mount Lokus. Aua Bauchweh vor Lachen

  3. ich glaube, es lag an der Lektüre… 😉

    die arme Maus – großwerden ist schon hart.

    (sehr süß geschrieben)

  4. Ähem …
    „Wahrscheinlich wären sie noch beim rasieren …“
    Beide? Wer wen? Oder was?
    Fragen über Fragen! Da tun sich Abgründe resp. (Gletscher)Spalten auf!!!

    😆

    • Den Rüffel habe ich von Mama auch bekommen. Mama hat den Kletternachwuchs fertig gemacht (aber auch ohne rasieren) 😉

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