Die Entwicklung der Sinne

Es ist schon interessant, wie sich die Sinne im Laufe des Lebens entwickeln. Und es ist auch interessant, wie sich die Wahrnehmung dieser Entwicklung verändert. Anfangs nimmt man dies ja nicht wirklich wahr. Und wenn, dann eher passiv. Dass mein Gehör in meiner Teenagerzeit rapide nachließ, merkte ich selbst gar nicht. Ich konnte es nur erahnen, da meine Eltern ständig sagten, ich würde schlecht hören und sie hätten dieses oder jenes schon hundertmal gesagt. Vielleicht ließ aber auch nur ihre mentale Leistungsfähigkeit nach und sie wollten es mir zwar sagen, haben es aber nicht.

Dass die eigenen Sinne zu Beginn des Lebens aber erst einmal immer schärfer werden, merkt man nicht, weil man da noch zu klein ist, um dies zu realisieren und abzuspeichern. Das bekommen nur die Eltern mit, die einem das später vielleicht mal mit einem Leuchten in den Augen erzählen. Aber da nimmt man seine Eltern meistens nicht wirklich für voll. Erst wenn man dann mal eigene Kinder hat, dann versteht man dieses Leuchten in den Augen wieder.

Später sieht man dann, wie die Sinne im Alter wieder schwinden. Wenn die Großeltern anfangen, schlechter zu hören. Oder die Eltern sehen langsam schlechter. Wobei mein Vater ja immer glaubhaft versicherte, dass seine Augen nicht schlechter würden, lediglich die Arme würden kürzer und deshalb müsse er nun bei ausgestrecktem Arm die Speisekarte lesen.

Das schlechte Hören trifft ja bei Kindern auch schon ab und an auf. Das ist dann entweder ein Zeichen für Schwerhörigkeit, für eine Mittelohrentzündung oder aber einfach Zeichen für Desinteresse oder Konzentration auf etwas anderes. Meistens zerstreut sich der Verdacht auf Schwerhörigkeit dann sehr schnell wieder. Nämlich dann, wenn plötzlich gezielte Nachfragen des Kindes zu elterlichem Geflüster aus dem Nebenzimmer auftreten.

Mitunter führt die langsame Verschlechterung des Gehörs bei Erwachsenen auch zu putzigen Dialogen. Das sind aber nicht nur die klassischen Verhörer, die uns zum schmunzeln bringen können. Bei Freunden meiner Eltern ließ das Gehör des Gatten schon etwas früher nach. Daher hatte er dann eine Brille mit integriertem Hörgerät. Das führte dann schon hin und wieder zum Rat seiner Frau „Zieh doch mal deine Brille auf, du hörst schon wieder schlecht!“.

Nun, worauf will ich eigentlich hinaus? Eigentlich nur darauf, dass ich am Sonntag heilfroh über den schleichenden Verlust des Gehörs im Alter war. Ansonsten hätte ich den Bäcker nämlich wohl ohne Semmeln schnellstens wieder verlassen müssen.

Zwerg (zeigt aus 1,5 Metern auf einen älteren Herren): „Schau mal Papa. Der ist aber dick, gell?“

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3 Gedanken zu “Die Entwicklung der Sinne

  1. Selektive Hörstürzee treten gehäuft bei 8jährigen auf.
    Je nach Diskussionsthema halten die dann zwischen 10 Minuten und 2 Stunden an. 😉

  2. *überdenbodenkringel*
    tse, nee, wasn tolles Alter, in dem die kleine Chefin ist. DAS ist noch echt Ehrlichkeit 😉
    Erinnert mich auch irgendwie an meinen letzten Besuch in der Schwimmhalle: „Kuck mal Mami, die Frau hat aber nen dicken Bauch“ – naja, das Kind hatte eben einfach Recht!

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