Erziehungsberater: Diskutieren mit Kindern

Nach dem ersten Teil des Erziehungsberaters wird es nun Zeit für den zweiten Teil. Diesmal befassen wir uns mit dem Thema: Diskutieren mit den eigenen (Klein)Kindern.

Im Elterndasein werden Sie immer wieder in die Situation geraten, mit Ihren Kindern diskutieren zu wollen/müssen. Hierbei gibt es allerdings einige grundlegende Verhaltensregeln zu beachten, die jedoch je nach Situation variieren. Machen Sie sich als erstes klar, in welcher Situation Sie sich gerade befinden, bevor Sie loslegen.

Diskussion zwischen Mutter und Kind
Möglichkeit 1: wahrheitsgemäße Darlegung der Entscheidung der Mutter
Um dem Kind ein positives Wertegfühl zu vermitteln, hat jede Mutter den Drang, dem Kind wahrheitsgemäß die jeweilige Situation zu erklären und die mütterliche Entscheidung somit für das Kind nachvollziehbar zu machen. Dieses Verhalten ist gerade für Mütter beim ersten Kind normal und hat nichts mit einer realitätsnahen Einschätzung der Lage zu tun. Es ist einzig und allein den Hormonen geschuldet, die dem mütterlichen Kleinhirn vorgaukeln, mit einem für vernünftige Argumente zugänglichen Wesen zu kommunizieren.
Pro:
Die Mutter fühlt sich bei den eigenen Ausführungen besser.
Contra:

  • Dem Kind ist die Weltwirtschaftslage schnuppe. Es will eine Limo.
  • Dem Kind ist der Anteil an pädagogisch wertvollem Inhalt im Fernsehen höchst egal.

Möglichkeit 2: Darlegung der Entscheidung der Mutter durch ein Vermischen der Wahrheit und frei erfundenen Argumenten
Diese Methode wird meist aus der Not heraus geboren. Die Mutter beginnt mit wahrheitsgemäßen Erklärungen und merkt recht schnell, dass sie nun auf sehr dünnem erzieherischem Eis unterwegs ist. Schnell versucht sie nun die Kurve zu bekommen, in dem sie auf frei erfundene Argumente ausweicht.

Pro:
Jede Diskussion wird für Außenstehende nun zu einem großen Unterhaltungskino.

Contra:
Sie haben keine Chance, diese Diskussion zu gewinnen. Ihr Kind wird Sie auf jeden Widerspruch in Ihrer Argumentationskette hinweisen und Sie so lange quälen, bis Sie nachgeben.

Möglichkeit 3: nicht-wahrheitsgemäße Darlegung der Entscheidung der Mutter
Um jede Diskussion möglichst schnell zu beenden, kann einfach zu völlig frei erfundenen Argumenten gegriffen werden. Das anfängliche Unwohlsein der Mutter schwindet schnell, wenn erste Erfolge registriert werden. Diese Methode ist in der Tat sehr effektiv, bietet jedoch auch einige Fallstricke. Das kindliche Gehirn ist noch bei weitem nicht so voll, wie das Gehirn der Mutter. Das mütterliche Gehirn ist in der Regel bereits an der maximalen Speicherkapazität angekommen. Die letzten freien Bits und Bytes wurden durch die Namen der Kindergartenfreunde belegt. Ab sofort wird für jede neue Information, die gespeichert werden soll, eine alte Überschrieben. Häufig werden hierbei vom Gehirn Regionen ausgesucht, in der alte Diskussionslügen abgespeichert wurden. Dies kann unweigerlich zu Problemen führen, wenn die gleiche Diskussion später erneut aufkommt, jedoch andere frei erfundene Argumente durch die Mutter vorgebracht werden. Diese werden dann sofort und gnadenlos vom Kind gegen die Mutter verwendet.

Pro:
Jede Diskussion wird im Keim erstickt.

Contra:

  • Das Kind entwicklet eine panische Angst vor Würmern im Magen, die sich durch Limokonsum bilden.
  • Das Kind fragt die Mutter nach ihrem intimen Verhältnis zum Klapperstorch aus.
  • Das Kind nervt die Mutter alle 2 Minuten mit Warnungen vor viereckigen Augen, während diese während der Mittagsruhe den neulich aufgenommenen Rosamunde Pilcher Film schaut.

Diskussion zwischen Vater und Kind
Möglichkeit 1: wahrheitsgemäße Darlegung der Entscheidung des Vaters
Eine Diskussion des Vaters mit seinem (Klein)Kind, welche auf klaren Fakten beruht, ist schlichtweg unmöglich. Sie scheitert meist daran, dass der Vater seine Argumente nur bis maximal zur zweiten Warum-Gegenfragenverästelung erklären kann. Alle folgenden weiteren Argumente beschränken sich meist auf ein „Darum!“, ein „Weil ich das sage“ oder ein „Basta.“ Dies führt zwar zu kurzfristigem Erfolg, da das Kind resigniert, jedoch wird es diese Diskussion auf jeden Fall später mit der Mutter weiterführen, die dann nicht verstehen kann, warum der Vater die Diskussion nicht fruchtbar zu Ende bringen konnte.

Möglichkeit 2: Darlegung der Entscheidung des Vaters durch ein Vermischen der Wahrheit und frei erfundenen Argumenten
Diese Art der Diskussion ist für Väter meist erfolgversprechender. Schließlich wird jede normale Diskussion am Stammtisch durch diese Strategie gewonnen. Auch werden nicht erhaltene Gehaltserhöhungen durch selbiges Schema schon lange erfolgreich daheim dargelegt.

Möglichkeit 3: nicht-wahrheitsgemäße Darlegung der Entscheidung des Vaters
Grundsätzlich hat das väterliche Gehirn bei dieser Methode einen klaren Vorteil gegenüber dem weiblichen Gehirn. Zum Abspeichern von Unwahrheiten ist im väterlichen Gehirn deutlich mehr Speicherkapazität frei, als im mütterlichen Gehirn. Unwichtige Informationen wie Namen der Kinder von Freunden, Namen von Ex-Freundinnen, Hochzeitstage, Geburtstage etc. werden im väterlichen Gehirn nicht oder nur zwischengespeichert.
Dennoch ist diese Methode für Väter alles andere als gefahrlos. Hand aufs Herz: jede Mutter hat bei dieser Methode so ihre Probleme, nicht vom Kind festgenagelt zu werden. Und wann haben Sie das letzte Mal eine solche Diskussion mit Ihrer Frau erfolgreich beendet?

Advertisements

4 Gedanken zu “Erziehungsberater: Diskutieren mit Kindern

  1. Immer wieder sensationell dein Erziehungsberater! Danke! Werd ich heute Abend gleich den Mann zum Lesen verdonnern… ähm ihm diese Perle der Erziehungsliteratur schmackhaft machen 😉

  2. Pingback: Erziehungsberater: Konsequent bleiben « Wer ist der Chef?

  3. Pingback: Erziehungsberater: Wenn die Kleinen Flügge werden « Wer ist der Chef?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s