Stoned

Es gibt Dinge, die machen uns kirre. Zum Beispiel, wenn die kleine Chefin überall herumklettern muss. Sie klettert einfach für ihr Leben gern und macht es auch richtig gut. Aber wenn sie dann beim Bäcker auf die Heizung klettern will, oder auf dem Parkplatz auf den nassen und rutschigen Fahrradständer, dann macht uns das kirre. Aber hier bekommt man die kleine Chefin meist noch ganz gut in den Griff. Okay, manchmal auch erst dann, wenn sie sich das Kinn einmal am Fahrradständer angeschlagen hat. Aber immerhin.

Was uns aber um den Verstand bringt, das sind Steine. Steine in allen Variationen. Die kleine Chefin ist eine Steinsammlerin. Sie ist geradezu bessen vom Steine sammeln. Sie ist regelrecht stoned von Steinen. Sie kommt aus dem Kindergarten nach Hause und wiegt 5 Kilo mehr, weil die Taschen voller Kieselsteine und Split sind. Im Kindergarten selbst können eigentlich kaum noch Steine vorhanden sein. Daheim werden es dafür immer mehr Steine. Nicht, dass wir nicht ohnehin schon genügend Steine im Garten hätten. Aber anscheinend nicht so schöne, wie alle Steine, die nicht auf unserem Grundstück zu Hause sind.

Am Samstag beim Kindergartenfest, welches wegen schlechtem Wetter in einer Reithalle stattfand, interessierte sie sich plötzlich nicht mehr für die Bremer Stadtmusikanten, die da interaktiv gespielt wurden (also mit Kindern und Eltern zusammen), sondern sie begann den Sand in der Reithalle nach kleinen Ministeinchen zu durchsuchen. Natürlich erfolgreich.

Und überall finden wir nun Steine und Steinchen. Im Flur. Im Krabbeltunnel. In den Hosentaschen (mittlerweile sogar in den eigenen). Steine. Steine. Steine. Wir werden hier noch verrückt.

Die kleine Chefin hat nun eigentlich schon Steine-nach-Hause-mitbring-Verbot. Aber eben nur eigentlich. Sie ist nämlich auch noch eine ausgebuffte Schmuglerin. Heute morgen fielen zwei Steinchen aus ihren Winterstiefeln.

Gestern schenkte sie unterwegs einen gefundenen Stein einem Freund. Dieser (ich gebe zu, taktisch unklug), nahm den Stein kurz, und warf ihn mit den Worten „Das ist ja gar kein Edelstein.“ in eine Hecke. Und weg war er. Der Stein, nicht der Freund. Die kleine Chefin sah es, erstarrte und erklärte, sie wolle den Stein wiederhaben. Nun finden Sie mal einen etwa Fingernagel großen Stein (Kinderfingernagel), in einer Buchenhecke … viel Erfolg. Also war der Stein futsch. Und die gute Laune der Chefin auch. Weinen, Schreien, Kreischen. Alles dabei. Nicht mehr zu beruhigen oder zu stoppen, weil der Stein weg war. Der Stein, den sie gerade verschenkt hatte und der somit ohnehin weg gewesen wäre. Der Stein, den sie sowieso nicht hätte mit nache Hause nehmen dürfen. Aber das war nebensächlich. Sie war nicht mehr aufnahmefähig durch den Steinwurf und den damit verbundenen Steinentzug. Somit musste ich sie mir schnappen und auf den Arm nehmen und mittragen, bis sie sich beruhigte, was nicht ganz einfach war. Mit einer Hand den Buggy fahren (da der kleine Chef gerade nur auf Mamas Arm Ruhe gab) und mit dem anderen Arm die sich windende und strampelnde kleine Chefin im Zaum halten.

Steine sind hier also derzeit gerne mal der Stein des Anstoßes für einen Zwergenaufstand.

Und beim Blättern durch einen Spielzeug- und Bastelkatalog zeigt die kleine Chefin plötzlich auf ein Bild und sagt: „Das wünsch ich mir.“ Wollen Sie raten? Es waren Steine zum bemalen …

Advertisements

5 Gedanken zu “Stoned

  1. Bei uns verlor sich die Steinzeit, als das Kinde den Waldkindergarten verliess und eingeschult wurde.
    Es besteht also Hoffnung!

  2. Hier wird genau ein Stein überall mit hin genommen. Dieser wurde mal auf irgendeinem fest bemalt. Seitdem ist es ihr Glücksstein.

  3. oh! Steine zum bemalen? wo gibt es die? Saskia sammelt Kastanien usw,sie beschränkt sich nicht auf ein sache und klettern tut sie auch überall auch an irgendwelchen Fahrradständern,die mir viel zu nahe an der strasse sind….oder sie rennt los und bleibt ganz nahe am strassenrand stehen,aber so,das einm doch etwas bange wird.ein gefährliches Spiel und wo man denken könnte,mit 5 werden sie vernünftiger ist auch das nicht unbedingt gesagt…Dei beiden würden sich scheinbar,trotz Alterunterschiedes gut verstehen ! 😉
    Meine Umarmung habt ihr,es sit schons ehr anstrengend teilweise.

  4. Steine hin oder her. Ich hätte dem Freund mal erzählt, wie man mit Geschenken umgeht… Tse!

    Btw scheint mir die kleine Chefin mit meiner Mutter verwandt zu sein. Obwohl die Gott sei Dank nur große und – zugegeben – schöne Steine sammelt. Aber eben auch: Steine, Steine, Steine.

    Allerdings halte ich das Steinesammeln immer noch für ein recht harmloses Hobby, solange die Statik mitspielt… 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s