Das Schwarz-Weiß-Denken der Eltern

Woher kommt eigentlich dieses Schwarz-Weiß-Denken bei vielen Eltern? Vor allem in Bezug auf andere? Ist das allgemein so oder ist das ein Phänomen des Internet?

Regelmäßig stolpere ich in Foren oder Blogs auf vereinzelte Aussagen oder Fragen auf Grund derer dann von anderen auf den Fragesteller (oder den Aussagentreffer) eingeprügelt wird. Am liebsten mit wenig Bezug zum eigentlich Kern der Frage oder Aussage. Wäre ja auch zu anspruchsvoll, sich auch noch mit den Hintergedanken von Aussagen und Fragen im Netz auseinandersetzen zu müssen.

Da fragt in einem Forum eine Mutter, ob jemand Online-Spiele für 4-jährige kenne. Anstatt darauf einfach inhaltlich wertvoll zu antworten wird gleich losgeprügelt, wie man überhaupt auf die Idee kommen könne, Vierjährige Onlinespiele spielen zu lassen. Die sollten doch bitte draußen spielen oder was basteln oder ein Brettspiel machen. Sehr hilfreich diese Antwort. Und was sich mir nicht erschließt: warum schließen Onlinespiele denn das draußen Spielen oder Berettspiele oder Basteln aus?

An einer anderen Stelle weist ein Kinderarzt auf Auffälligkeiten bei der Sprachentwicklung hin und gibt den Tipp, etwas vorzulesen, weil dies auch fördert. Eine Kommentarorin kommentiert darauf hin, dass zu viele Kinder mit dem Fernseher aufwachsen und nichts vorgelesen bekommen. Für mich sehr angenehm weist eine liebe Leserin jenes (und meines) Blogs darauf hin, dass Fernsehen ja Vorlesen nicht ausschließen müsse. Recht hat sie.

In einem anderen Forum fragt jemand, welche DVD-Player für das Auto denn gut wären? Also diese DVD-Player, die man an der Kopfstütze befestigen kann. Es kamen auch ein paar hilfreiche Antworten, aber natürlich auch wieder der Aufschrei, wie man denn seine Kinder im Auto einfach nur mit DVDs berieseln könne. Die sollen doch „Ich seh etwas was du nicht siehst“ spielen, oder Autokennzeichen raten oder sie sollen was malen oder man solle sich halt zu den Kindern nach hinten setzen und mit ihnen was spielen oder die sollen CDs hören. Das wäre früher auch so gewesen, als man selber Kind war. Das stimmt, aber wissen Sie was? Ich habe dann lange Autofahrten als Kind gehasst. Malen und lesen konnte ich nicht, denn da wurde mir schlecht. Autokennzeichen raten machte eine Zeit lang Spaß, aber keine 4 Stunden (und außerdem muss man dazu mehr als nur lesen können, man muss auch noch Städte kennen – also schon älter sein). „Ich seh etwas“ ist im Auto schwer, den entweder waren es nur Dinge in der Ferne oder es hörte sich so an: „Ich seh etwas was du nicht siehst und das ist blau. Und jetzt ist es schon wieder weg.“ Und setzen Sie sich als Erwachsener mal 3 Stunden zwischen 2 Kindersitze auf die Heckbank.

Wir müssen in den Augen dieser Eltern das Sinnbild aller schlechten ELtern sein. Die kleine Chefin darf Fernsehen. Sie hat einen Kindercomputer. Sie darf Onlinespiele spielen. Sie hat einen DVD-Player für das Auto (weiß es aber noch nicht) und noch einiges mehr. Ich weiß nur nicht, wie wir in dieses Schwarz-Weiß-Denken reinpassen. Die kleine Chefin tobt nämlich auch im Baumhaus, spielt Fußball im Garten, geht ins Kinderturnen, bekommt jeden Tag was vorgelesen, kennt „Ich seh etwas …“, malt, knetet, bastelt, macht Puzzle, fährt Fahrrad, spielt mit Playmobil und Lego, macht Hula-Hoop, springt Seil und erklettert Kletterwände und Bäume.

Bloß weil man den Kindern auch (auch aber nicht nur) moderne Sachen gestattet heißt das doch noch lange nicht, dass sie degenerierend vor dem TV und dem PC dahinsiechen. Vielleicht bringt man ihnen so ja auch den verantwortungsbewussten Umgang mit solchen Geräten bei? Und bloß, weil wir als Kinder diese Dinge nicht hatten heißt das doch nicht, dass auch unsere Kinder das nicht haben dürfen sollen. Wenn meine Eltern so gedacht hätten, dann hätte ich mir mein Spielzeug aus Holz und Unrat selber bauen müssen, schließlich waren sie zu Kriegszeiten Kinder. Aber so haben sie nicht gedacht. Sie haben mir lieber versucht, einen verantwortungsbewussten Umgang mit neuen Dingen beizubringen. Dazu gehört, diese Dinge auch benutzen zu dürfen. Mit Regeln, Auflagen und unter Aufsicht und später auch allein.

Also, liebe Schwarz-Weiß-Denker. Vielleicht dürfen eure Kinder viele Dinge nicht, die andere Kinder (auch unsere) dürfen. Aber vielleicht solltet ihr auch einmal anfangen in Grautönen zu denken, wenn euch Farbe schon überfordert.

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28 Gedanken zu “Das Schwarz-Weiß-Denken der Eltern

  1. Daumen hoch! Super geschrieben, so sehe ich das auch!

  2. Punkt. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Ich finde es gut, dass Sie diesen Text so kritisch für die Schwarz-Weiß-Denker auf der Welt geschrieben haben 🙂

    Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße aus Köln 🙂

  3. Genau so sehe ich das auch! Nur weil wir damals nur Bibi Blocksberg Kasetten oder Bücher im Auto hatten, ist doch jetzt nichts gegen ein wenig moderne Unterhaltung einzuwenden – wenn das die stressige Fahrerei im urlaub erträglicher macht haben doch alle etwas davon. Technik zum „Kinder abschieben“ muss aber nicht sein – und wenn doch, was spricht denn dagegen z.B. gemeinsam mit den Kindern ein Videospiel zu spielen? Denn ohne Kommentar der Eltern bei Beschäftigung mit modernen Medien ist die Medienkompetenz der heutigen Kinder sowieso unbrauchbar…

  4. Punkt.

    Danke für diesen so treffenden Beitrag! 🙂

  5. Danke für den Post 🙂 Vor kurzem stellte ich die naive Frage ob es Buggys gibt die mehr als 15 kg vertragen. Pööööse frage 😉 Ich sollte mein fettes Kind lieber laufen lassen war da die nett umschriebene Kernaussage -_-

  6. Super!! Das drückt genau das aus, was ich mir auch schon so manches Mal gedacht habe!!!!
    Toll geschrieben und auf den Punkt gebracht!!

  7. Das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Manchmal scheint es, als würden manche Leute nur darauf warten, auf Knopfdruck über jemanden herfallen zu können. Aber meiner Meinung nach liegt das auch ein Stück weit an der Kommunikationsform. Es unterhalten sich Leute, die sich meist im echten Leben nicht kennen. Zusätzlich ist es schwer, im Geschriebenen Zwischentöne heraus zu hören. Und ganz unrecht haben die übereifrigen Kritiker ja häufig auch nicht, weil es eben auch die anderen Leute gibt, die kein vernünftiges Maß finden (als ich neulich im Babyforum sinngemäß etwas las wie „Wie süß. Das Purzelchen – 4 Monate – liebt den Fernseher. Wenn ich ihn davorsetze wird er ganz ruhig – stundenlang!“ da dachte ich mir durchaus auch meinen Teil).
    Auf jeden Fall finde ich es wichtig, die Kinder auch frühzeitig mit dne sogenannten „Neuen Medien“ vertraut zu machen. Wie sollen sie denn später von jetzt auf gleich den richtigen, dosierten Umgang damit lernen?

  8. *kicher* die meisten verteidigten dabei eigentlich nur ihre eigenen vorstellungen. wer aber so scharf auf so simple fragen reagiert, der ist sich seines weges selbst nicht ganz sicher, glaube ich. vielleicht hat so jemand gerade irgendwie unterbewusst die angst, dem kind was zu verwehren, wenn es nicht auch (mal) fernsehen darf oder so.
    ich finde ja, dass sowas am meisten über die meckernde person aussagt, jawohl. und drum: lasst sie schwätzen. die können nicht andres. übermuttis. und wovon träumen die wohl nachts?

  9. Danke. Dafür, dass jemand das mal ausspricht, aber auch für die „kleine Moralkeule“ – manchmal ertappe ich mich nämlich ganz selbst und höchstpersönlich dabei, Menschen/Gesehenes/Gelesenes in Schubladen zu stecken oder eben schwarz-weiß zu denken. 😉

  10. Danke, aber sowas von 😉

  11. Huhu,
    da ich ja, zwar nicht namentlich, aber doch erwähnt werde.
    Zur Klarstellung, ich bemängelte nur, dass viele (also nicht alle) Kinder heute kaum noch/gar nicht vorgelesen bekommen und stattdessen oftmals vor dem Fernseher geparkt werden.
    Und das finde ich nach wie vor sehr traurig.
    Mein Stiefsohn darf auch Fernseh gucken und an den PC, aber er spielt auch draußen und liest und tobt.
    Also hier kein schwarz-weiß Denken vorhanden. 😉
    Auf die Mischung kommt es an.

    Trotz allem, ein guter Artikel.

    • Hallo Räubertochter. Na das hat sich ja schnell rumgesprochen 😉
      Bin ja froh, wenn in diesem Falle ich falsch interpretiert habe und eventuell höchstens in Grautönen gedacht habe. Ganz davor gefeit ist man eben doch nie.

      Möchte mich dann auch hiermit entschuldigen, wenn ich dir damit Unrecht getan habe. Ich hoffe, ich darf es aber im Post dennoch so stehen lassen, da es einer der aktuellen Aufhänger für mich war.

      • Huhu,

        nichts da rumgesprochen, ich lese heir regelmäßig. 😉
        Nur nicht in abonnierter Form.

        Natürlich, darfst du es so stehen lassen.
        Wollte auch nur klar stellen, wie ich über sowas denke und wie ich es gemeint habe.

        Liebe Grüße

  12. Diese Schwarz-Weiß-Denker und Dummklug-Kommentierer erhalten von mir meist nur ein müdes Lächeln. Wer sich so stark profilieren muss und ständig betont, dass er ja dies und das perfekter und pädagogisch ausgewogener macht, der hat meist ein ausgeprägtes Selbstwertproblem oder spiegelt seine Probleme auf andere. Oder oder oder. Es gibt zum Glück noch viele viele entspannte Eltern, mit denen es Spaß macht sich zu beratschlagen, zu quatschen und den gemeinsamen Kinderalltag zu verbringen.
    Danke für den Post!

  13. Wer Kinder hat und vor sich selbst (nicht mal öffentlich im Netz) offen und ehrlich ist, der wird eingestehen müssen, dass es kein pauschal richtiges Gut oder Schlecht für alle Kleinen gibt. Jedes Kind ist anders und vor allem jede Familie ist anders.

    Was ich aber noch viel schlimmer als diese Verallgemeinerungen und die Diskussionen darum finde, ist die Tatsache, dass die wirklich wichtigen Fragen in den Hintergrund treten. Die eigentliche Erziehung von Kindern hat zunächst einmal rein gar nichts mit den Techniken zu tun, deren sich die Kleinen bedienen können und dürfen. Sind denn all jene Eltern, die so wehement den Schutz der Kindern einfordern in ihrer Erziehung so konsequent und geradlinig, wie sie sein sollten? Wenn Leute wie Winterhoff & Co. recht haben (wovon ich persönlich fest überzeugt bin!), dann ist das eben nicht der Fall. Dann sind all jene Scheingefechte mit anderen Eltern eine Mogelpackung… nicht mehr und nicht weniger als eine riesengroße Show!

  14. Genau das Gleiche denke ich auch sehr oft. Letztens googelte ich nach Informationen zum Thema Teilzeitstelle und Arbeitssuchendmeldung/ Arbeitslosengeld. Ich stieß auf genau meine Frage- und auf die extrem unfairen, abwertenden Kommentare anonymer User, die das arme Mädel fertig machten, mit Aussagen wie: Du bist nur zu faul zum Arbeiten, wo ein Wille ist ein Weg zur Vollzeit- oder das Gegenteil: Du schiebst dein Kind ab, bleib lieber zu ganz zu Hause. Es war so lächerlich, ich konnte nicht aufhören zu lesen und hab mich maßlos geärgert über die Vermessenheit der Leute, die sich ein Urteil erlauben ohne die Gesamtsituation zu kennen. Wenn jemand nunmal nur Teilzeit arbeiten WILL, was ist daran auszusetzen? Genauso, was kümmert es mich, wenn jemand eben lieber beim Kind bleibt?? Jeder, wie ihm beliebt. Aber ja: Schwarz7weiß ist die Welt in der Tat. Einfach Ohren zu und durch, wir werden es mit der kleinen Fee auch nicht anders machen.

  15. Applaus! Schön auf den Punkt gebracht.

  16. Einerseits hat Räubertochter aber auch wiederrum recht…Saskia guckt zb eher mit mir mit( nach der Arbeit habe ich oft keine Lust noch was anderes zu tun als Fehrnsehen….und es wâre natürlich eigentlich schöner fünf Bücher (von ihr oder der Bibliothek (dort sind wir regelmässig) vorzulesen…aber ich lese lieber mal zwischendurch zwei bücher und vor dem einschlafen eins, oder aber so Märchenkarten,die in einer spieluhr sind…
    Von Alain her darf sie auch zeichentrickfilme anschaun,aber ich mag die nicht so…zu schnell ,laut die heutigen…Tut sie aber vielleicht zweimal im monat.Und sie spielt gerne online (bei der Maus zb, aber oft sage ich auch nein, weil sie dann einfach desselbe problem bekommt wie (Ich) und vielle Erwachsene: Mann bleibt kleben und viel länger als man eigentlich will. Im Moment macht sie selbst ein Buch und mit einer selbsterfundenen geschichte in einer kunstschule über die schulferien.
    ich glaube auch das Fehrnsehen eher schädlich ist und die Kinder es zwar gerne tun (und wohl auch manchmal einfach ncihts aktives tun möchten) sie aber eigentlich die klasischen sachen lieber machen, im Grudne ihres Herzens.
    Parken habe ich bis vor kurzem gar nccht gemacht: aber wenn ich in der küche essen koche,lasse ich saskia schon mal aleine schaun+während(Kopfball) der Maus auch.Wenn ich es auch ganz gerne schaue….

  17. Das Dilemma mit den schwarz-weiß-Sehern ist natürlich, dass die anderen alle keine Ahnung haben. Ist doch ganz klar!

    (Lassen Sie sich mal ja nicht verrückt machen. Wenn jeder seine Kinder erzieht, sind wir schon ein ganzes Stück weiter.)

  18. Oh, ich danke für diese Worte… auch meine beiden dürfen fernsehen und spielen gleichzeitig auch draußen, toben, klettern etc.
    Und wer hätte das gedacht, ich selbst war gerade 6 als ich einen eigenen TV und den dazu passenden Commodore bekam… ja… ich war trotz dessen die meiste Zeit draußen, hatte Freunde und habe gespielt.
    Auch das der große mal an den PC darf oder eine Runde Pacman an der Playstation spielt – ist halt so – und na ja, es wäre wahrscheinlich verherend für die Kinder, würde man sie gänzlich von den PC und dem Internet fernhalten (nicht unbedingt auf die kleinen Kinder zutreffend) aber mit den neuen Medien werden sie groß.

  19. ich muss noch etwas nachtragen. heute nämlich zogen wir uns einen tv-tag ein. bei fast schönstem wetter! und wissen sie was? es tat uns allen so was von gut. ok, das ist nur die halbe wahrheit: der älteste sohn ist krank. und wenn er krank ist, bewegt er sich keinen millimeter. es war der ganze tag friede, freude, eierkuchen.

  20. Pingback: Weil wir alle irgendwie so sind……. « Morphium's Blog

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