Ein Jahr Langeweile?

„Rrr … Aaa …“ sagte die kleine Chefin plötzlich am Tisch und schaute dabei auf eine Broschüre. „Rrr … Aaa … B … Eeee. Rabe. Mama, da steht ‚Rabe‘!“

Richtig, da Stand „Kleiner Rabe Socke“ und sie hat mal so eben „Rabe“ gelesen. Einfach so. Und einerseits fanden wir das richtig toll, aber andererseits haben wir uns dafür entschieden, sie erst nächstes Jahr einzuschulen. Sie hat also noch ein ganzes Jahr Kindergarten mit Vorschule vor sich. Dass sie kognitiv durchaus ein Grenzfall ist und schon dieses Jahr eingeschult werden könnte, wussten wir. Wir waren und sind aber der Ansicht, dass ihr emotional dieses eine Jahr Kindergarten gut tun wird. Getrennt von ihren 3 besten Freundinnen, die allesamt deutlich dominanter sind als die kleine Chefin. Ein Jahr, in dem sie zu den Ältesten gehören wird und selbst den Ton angeben kann. Ein Jahr, in dem sie noch daran arbeiten kann, sich länger auf jeweils nur eine Sache zu konzentrieren und sich nicht so schnell ablenken zu lassen.

Diese Entscheidung haben wir vor Beginn dieses Kindergartenjahres getroffen. Die Erzieherinnen standen da auch voll dahinter und haben es genau so gesehen. Kognitiv ja, emotional nein. Und wir waren somit in unserer Ansicht bestärkt, auch wenn irgendwo drinnen natürlich leise Zweifel waren. Diese kamen noch einmal kurz bei der letzten U beim Kinderarzt, als die Ärztin dann in der Untersuchung von einigen kognitiven Fähigkeiten recht beindruckt war und meinte, es stelle sich nun die Frage ‚Einschulen oder nicht?‘. Und ich meinte, eigentlich eher nicht, von der emotionalen Seite aus. Auch hier nickte die Kinderärztin und meinte, dies sei wahrscheinlich richtig. Aber die dumpfen Zweifel kamen wieder. Aber wurden auch wieder verdrängt.

Und dann sitzt sie plötzlich da und liest „Rabe“. Und die Fragen kommen wieder. Wird sie sich nächstes Jahr im Kindergarten wohlfühlen? Oder wird sie sich langweilen? Wird sie sich, was noch schlimmer wäre, in der Schule langweilen? Oder würde sie bei einer früheren Einschulung später, spätestens in weiterführenden Schule und der Pubertät, Probleme bekommen und eben dieses eine Jahr dann doch fehlen?

Wir bleiben dabei, sie wird erst nächstes Jahr eingeschult, aber die Zweifel sind da. Wären sie aber andersrum wohl auch, wenn wir sie dieses Jahr einschulen lassen würden. Vielleicht machen wir uns auch einfach zu viele Gedanken.

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2 Gedanken zu “Ein Jahr Langeweile?

  1. Puh, das glaube ich, dass das schwierig zu entscheiden ist. Am Ende würde ich mich vermutlich genauso entscheiden wie ihr- und wenn sie in der Schule dann doch so viel weiter sein sollte, kann man immer noch darüber nachdenken, sie eine Klasse überspringen zu lassen. Wenn sie dann mit den besten Freundinnen zusammentrifft, wird sie sicher selbstbewusst genug sein, um nicht mehr unterzugehen.

    Wie es auch wird: Ihr hört auf Herz und Bauch, das wird schon gut sein!

  2. Meine drei Kinder sind alle später eingeschult worden und es hat ihnen allen sehr gut getan.

    In der Schule weht ein deutlich anderer Wind als im Kindergarten. Auch schon in der 1. Klasse.

    Und jeder gute Kindergarten kann auch die guten Kinder fördern und fordern. Sie sollten genug Material haben, damit bei den Kindern keine Langeweile aufkommt.

    Meine große Tochter durfte die Vorschulzeit im Kindergarten zweimal machen und hatte überhaupt keine Langeweile. Sie bekam neue Arbeitsblätter und hatte auch in der 2. Runde viel Spaß an der Vorschule.

    Eure Entscheidung ist richtig, die Schulzeit ist lang genug. Gebt Ihr ruhig dieses zusätzliche Jahr 😉

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