Verplanter Morgen

Montagmorgen. Eigentlich könnte dieser Beitrag damit schon enden. Denn dass ein Montagmorgen nicht zu den besten Morgenden gehört ist klar. Ist ja immer und überall so. Aber vielleicht sollte ich doch noch begründen, warum genau dieser heutige Montagmorgen ein echter Montagmorgen war.

Eine Woche waren kleiner Chef und kleine Chefin nun daheim. Die Krippe war zu und den Feriendienst im Kindergarten nahmen wir nicht an, da der kleine Chef ohnehin anders betreut werden musste. Da Dida und Doda diese Woche also extra zu Besuch kamen, ließen wir auch die kleine Chefin daheim.

Heute dann wieder erster tag Kindergarten und Krippe. Der kleine Chef sagte schon frühzeitig, dass er nicht in die krippe wolle, sondern auch in den Kindergarten (die Erklärung, dass wir dieses Jahr noch keinen Platz bekommen haben, die steht uns auch noch bevor …). Entsprechend mulmig war mir schon, als ich mit dem kleinen Chef auf dem Arm die krippe betrat. Ich hatte so meine Befürchtungen, dass er heute dann doch wiedermal klammern und weinen würde. Aber bevor es dazu überhaupt kommen konnte, überkam mich ein anderer Schreck. Sein Platz in der Krippe war leer. Völlig leer. Keine Hausschuhe, keine Gummistiefel, keine Regenjacke, keine Regenhose. Nix. Alles weg. So schusselig konnte selbst die Krippe doch nicht sein. Auch wenn sie insgesamt fiele Dinge verschlampen, so viel und dazu noch während der Schließzeit?

Aber die Krippe war unschuldig. Vor der Ferienwoche hatte sie uns alles mitgegeben. Nur ist dies während der freien Woche daheim in Vergessenheit geraten. Zumal mittlerweile über der Tüte mit den Schuhen und Klamotten etwa 4 Jacken des kleinen Chefs hingen. Aus den Augen aus dem Sinn trifft es sehr gut. Also habe ich den kleinen Chef erst einmal auf Strümpfen in die Krippe geschickt. Er war selbst auch etwas verdattert darüber, dass sein Haken leer war, so dass auch er gar keine Zeit hatte darüber nachzudenken, dass er eigentlich gar nicht in die Krippe wollte.

Also ich wieder Heim, Tüte packen und zurück in die Krippe. Ein pünktlicher Arbeitsstart rückte längst in die Ferne und auch bis zur Krippe würde ich es nicht mehr rechtzeitig schaffen, bevor die Türen eigentlich zu sind. Also noch schnell telefonisch mein Kommen angekündigt, damit ich zumindest in den Vorraum kommen könne. In den Gruppenraum wollte ich möglichst nicht mehr rein. Nicht dass der kleine Chef dann doch noch anfängt, wieder Heim zu wollen. Also habe ich im Vorraum an seinem Platz Gummistiefel, Regenjacke und Regenhose aufgehängt und dabei etwas getrödelt. Immer in der Hoffnung, irgendeine Erzieherin würde zufällig vorbeikommen. Mein Plan war mittlerweile, einer Erzieherin die Hausschuhe zu geben und diese in die Gruppe zu bringen. Aber keine Erzieherin kam vorbei. Eigentlich klar, die waren ja alle mit Erziehen beschäftigt.

Im Gruppenraum selbst war gerade der Morgenkreis. Während dieses Morgenkreises war es für mich absolut normal und klar, dass ich nicht rein kann. Schlimm genug, den kleinen Chef noch einmal aus der Krippe „reißen“ zu müssen, aber definitiv würde ich nicht alle Kinder aus der morgendlichen Routine reißen. Während ich nun überlegte, wie ich die Schuhe in den Gruppenraum bekommen würde, löste sich der Morgenkreis auf. Durch die Milchglasscheibe konnte ich dies schemenhaft erkennen. Und was ich noch erkannte machte all meine Überlegungen mit einem Schlag zunichte. Ich sah, wie ein Kind Richtung Tür kam und je näher es kam umso mehr konnte man im Milchglas erkennen. Eindeutig konnte ich erkennen, dass es der kleine Chef war, der da kam.

Ich machte mich also schon einmal mental auf einen schweren Abschied gefasst. Dann öffnete sich die Tür und der kleine Chef sah mich an. Ich sagte nur „Hey, schau mal. Hier sind deine Hausschuhe“ und stellte mich darauf ein, noch einmal mit ihm zu kuscheln. Der kleine Chef jedoch grinste nur, nahm mir die Hausschuhe ab und schloss wieder die Tür.

Da stand ich nun. Verdattert. Überrascht. Aus dem Konzept gebracht. Und stolz, dass der kleine Chef doch schon so ein Großer ist.

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3 Gedanken zu “Verplanter Morgen

  1. Ja, die lieben Kleinen können einen manchmal ganz schön überraschen, dass Sie doch nicht mehr so klein sind. In manchen Situationen hat unsere „Große“ uns auch ähnlich zum staunen gebracht.

  2. Na, dann scheint die Krippe ja doch nicht so schlecht zu sein! (Ich kenne das aber auch, Junior will morgens auch nie in den Kindergarten, geht dann aber bereitwillig rein und hat nen Haufen Spaß).

  3. Ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestossen (ich bin Erzieherin und suchte etwas über Hausschuhe – so kanns gehen:-)) möchte dir aber mein Lob aussprechen: Wenn alle Eltern so sehr mitdenken würden, dass sie
    1. ihrem Kind nach dem „Tschüss“ sagen kein zweites Mal ins Blickfeld geraten und
    2. nicht in den Morgenkreis platzen (aus den o.g. Gründen) wäre mein Beruf um noch ein Vielfaches schöner als er ohnehin schon ist.
    Dafür danke.
    Und jetzt suche ich weiter nach Hausschuhen:-)

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