Vom „Gottesteilchen“ und anderen Namensschöpfungen

Ja, nun springe ich auch auf den boulevardmedialen Zug auf und Pimpe meine Blogzugriffe durch die Erwähnung des „Gottesteilchens“. Eine kleine Diskussion mit einer sehr netten Bloggerin hat mich nun dazu veranlasst 😉

Die Diskussion drehte sich darum, dass heute alle (Boulevard)Medien über die mögliche Entdeckung des „Gottesteilchens“ am CERN berichten. Unter wissenschaftlich gebildeten Menschen brach ein kleiner Aufschrei aus (zum Beispiel hier), weil sie sich vehement gegen den Begriff „Gottesteilchen“ wehren. Schließlich habe das Higgs-Boson (und die Quantenphysik im Allgemeinen) nichts mit Gott zu tun.

Nun mag das ja so sein. Dennoch finde ich das bei weitem nicht so schlimm, wie die Wissenschaftler. Natürlich ist es auch nicht mein Fachgebiet und daher bin ich da auch nicht so empfindlich. Mir fallen (und stoßen) falsche Begriffe in anderen Bereichen deutlich mehr auf, weil ich mich da eben auskenne. Aber meistens nehme ich sie dann doch eher hin. Ganz ohne Wertung, ob dies nun gut oder schlecht ist.

Beim „Gottesteilchen“ bin ich nun aber der Meinung, dass dies ein durchaus legitimes Stilmittel der Medien ist. Wenn durch diesen Begriff in der Überschrift mehr Menschen für dieses Thema erreicht werden können und dann im Inhalt der Artikel entsprechend über die Zusammenhänge aufgeklärt wird, dann finde ich es okay. Jeder, der durch diese Überschrift zum Lesen bewogen wird und sich dadurch mit der Thematik an sich auseinandersetzt, ist ein Gewinn. Sicher gibt es viele, die auch nach einer Lektüre nciht wissen worum es geht. Aber das wussten sie auch vor der Lektüre nicht. In so fern sind diese für mich irrelevant. Relevant sind diejenigen, die neu als interessierte und aufgeklärte Menschen hinzugewonnen werden können.

Zumal der Begriff „Gottesteilchen“ ja auch nicht komplett irreführend ist. Meines Wissens wird es auch (unter anderem) in Zusammenhang mit dem Urknall gebracht. Also der Entstehung des Universums. Im christlichen Glauben ein Akt Gottes. Also wird eine gewisse Parallele gezogen. In anderen Bereichen geschieht dies auch, aber immer wenn Physik und Glaube in einem Satz oder Wort gemeinsam auftauchen, wird es anscheinend schwierig.

Mich würde mal interessieren, wie ihr das so seht. Vielleicht fallen euch ja auch noch andere Namensgebungen ein, die „irreführend“ sind, aber allgemein akzeptiert?

Ein schwarzes Loch ist kein Loch.
Eine Radarfalle ist keine Falle, sondern eine Kontrolle.
Der Torrichter ist kein Torrichter, sondern zuständig für alle Aktionen in und um den Strafraum.
Eine SMS ist keine SMS, sondern eine SM. (Short Message Service)
Der Elchtest ist kein Elchtest.

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5 Gedanken zu “Vom „Gottesteilchen“ und anderen Namensschöpfungen

  1. In Überschriften/Schlagzeilen finde ich „Gottesteilchen“ nicht so schlimm. Dient ja nur als Teaser, den ganzen Text zu lesen. Wenn aber im Text selber auch ständig Gottesteilchen steht, geht mir das gelegentlich schon auch auf die Nerven. Noch schlimmer finde ich, wenn dann auch noch auf Gott selbst rekurriert wird. Es ist weder Aufgabe noch liegt es in den Möglichkeiten noch überhaupt in der Intention der Physik, IRGENDETWAS zu Gott/Göttlichem etc. zu sagen. Gott gibt es – Gott gibt es nicht – Sch…egal, ob es das Higgs-Boson gibt (oder nicht).

    • Ja, da bin ich komplett bei dir. Meine Meinung ist ja auch, dass in den Artikeln dann differenziert werden sollte, nicht in der Überschrift. Und dann Ableitungen Richtung gibt es Gott oder nicht zu führen ist tatsächlich komplett daneben.

  2. Der Schraubenzieher ist eigtl. ein Schraubendreher, der Zollstock misst schon lang nicht mehr Zoll, eine Glühbirne ist keine Birne sondern eine Lampe und die Wasseruhr ist ein Wasserzähler.

    Und ich mach mich jetzt auf die Suche nach Artikeln über Gottesteilchen.

  3. Ja, ist ja richtig: Das Wort „Gottesteilchen“ ist eine Metapher. Ein Wort, das für mehr steht, als ein Wort eigentlich ausdrücken kann. Wurden ja auch schon fast unzählige Beispiele angeführt, weshalb ein Gottesteilchen nicht zwingend ein Teilchen ist, das mit Gott etwas zu tun hat. Aber ich habe noch ein … sagen wir: unschönes Beispiel dafür, weshalb mir das (gelegentlich, wie gesagt) auf die Nerven fällt. Das Ding ist auch schon ziemlich alt, aber immer noch online (hat also mit dem aktuellen „Fall“ nichts zu tun), illustriert aber wie ich finde auf wunderschöne Weise, dass Gott und Physik nur zusammenzubringen sind, wenn man NICHT recht bei Verstand ist.
    Es geht um SCOBEL, ein Wissenschaftstalk auf 3SAT, der einmal im Monat ein bestimmtes Thema aufgreift. Im November 2010 ging es um Dunkle Materie. Es waren 3 Leute eingeladen (allesamt Physiker). Und im Unterschied zu „gewöhnlichen“ Talkshows durften die auch wirklich diskutieren – und HATTEN auch etwas zu diskutieren. Aber sieben, acht Minuten vor Schluss kam der Moderator dann auf Gott zu sprechen … und wollte nicht aufhören … und gab schon in jeder Frage praktisch die Antwort vor … bestand dennoch immer wieder darauf, dass die Physik … und Gott … und so weiter … Grauenvoll. Die Physiker blieben höflich. Obgleich ihnen anzusehen und vor allem anzuhören war, dass sie leicht genervt waren. Die Physik ist eine emprische Wissenschaft, hieß es … Ja, mein Gott (!), was will man sagen, wenn man als Physiker zu Gott gefragt wird …?
    Stelle grade fest, dass ich nicht weiß, wie man hier einen „vernünftigen“ Link einfügt, deshalb schlicht:
    http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=21864

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