Die Wahrheit

Man soll immer die Wahrheit sagen. Denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Das sagen wir in der Regel auch unseren Kindern. Auch wenn wir Erwachsene uns nicht immer daran halten. Erwachsene nutzen die Kunst der Halbwahrheiten, der verschwiegenen Wahrheiten, der Notlügen und der schamlosen Lügen. Kommt drauf an, was gerade passend ist, Schmerz oder peinliche Situationen erspart. Erwachsene können wahrscheinlich auch tatsächlich besser unterscheiden, wann eine Notlüge besser ist, als die Wahrheit. Oder wann die Wahrheit besser nicht ungeschminkt sein sollte. Wir tun uns in der Regel leicht damit, jemanden keinen reinen Wein einzuschenken.

Den eigenen Kindern gegenüber ist es aber noch einmal etwas anderes. Bei welchem Thema und welcher bleibt man bei der Wahrheit und wo umschifft man diese lieber. Ich glaube zwar, dass wir uns da oftmals zu viele Gedanken machen und Kinder die Wahrheit oft besser vertragen, als wir denken und es vielleicht auch selber tun, aber dennoch ist es schwierig. Ein ehrliches „Ich weiß es nicht.“ auf Fragen wie „Wieso steht der Bagger heute nicht da?“, ist sicher nicht unbedingt ein Problem. Aber ist manchmal eine Geschichte dazu nicht schöner? Aber ist sie denn auch wahr?

Schwierig die Frage der kleinen Chefin bei einem Denkmal für die Besatzung eines im 1. Weltkrieg abgestürzten Flugzeuges. „Was ist Krieg?“ Wir haben versucht zu erklären, was Krieg ist. Ohne bunte Bilder natürlich. Also doch nicht die volle Wahrheit? Aber Wahrheit genug? Ich denke und hoffe ja.

Auch wissen unsere Kinder, dass wir Tiere essen, wenn wir Fleisch essen. Die kleine Chefin weiß, dass das Stück auf dem Grill mal ein Schwein oder ein Rind oder eine Pute war. Ich denke, wenn sie so etwas von Anfang an wissen, dann gibt es später auch ein weniger böses Erwachen. Milch kommt nicht aus dem Supermarkt, sonder von der Kuh!

Was ist denn aber bei Fragen wie, warum man die Oma nicht mehr besuchen kann? Was bedeutet „gestorben“? Hier mag der Glaube dem einen oder anderen helfen. Aber selbst wenn man nicht glaubt, ist dann nicht unter umständen das Bild von der Oma, die nun vom Himmel als Engel zu einem schaut und über einen wacht nicht schöner, als die Erzählung über das Verotten des Körpers unter der Erde auf dem Friedhof? Oder erzählt man etwas dazwischen? Wie viel Wahrheit gibt man da Preis?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denke ich. Aber wir versuchen auch bei heiklen Themen die Wahrheit zu erzählen. Zumindest keine Lügen. Meistens …

.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die Wahrheit

  1. Ich habe mich für die Wahrheit entschieden: ^^

    „Ich weiss es nicht. Manche Menschen glauben, dass man seinen Körper verlässt, unsichtbar wird, fliegen kann und für immer an einem ganz tollen Ort wohnt. Ich selber glaube aber, dass danach gar nichts mehr kommt und man nichts mehr denkt, spürt, hört oder sieht.“

    Ist dann keine Lüge oder Schönfärberei, und dennoch lässt man dem Kind eine Hintertür, um sich die Sichtweise auszusuchen, mit der es momentan am besten leben kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s