Hochverrat

Die kleine Chefin ist nun in einem Alter, in dem sie durchaus auch zum Hilfsmittel der Lüge greift. Ist eine schwierige Phase für alle. Auch wir müssen sehen, wie wir damit umgehen, auch wenn wir da schon relativ klar Vorstellungen haben. Aber man kennt das ja mit der Theorie und der Praxis.

Wir versuchen zu vermitteln, dass es deutlich besser ist, etwas zuzugeben, als zu lügen. Es kann zwar sein, dass man etwas Ärger bekommt, wenn man etwas zugibt, aber dieser Ärger steht in keiner Relation zu dem Ärger den man bekommt, wenn man lügt und dies dann später herauskommt. Aber natürlich kennt man es auch noch von sich selbst, dass man manchmal eher etwas abgestritten hat in der Hoffnung, es kommt nicht raus. Ab und an ging das ja auch gut. Aber dennoch muss man natürlich vermitteln, dass die Lüge nicht das probate Mittel ist.

Aber es ist für Kinder auch nicht unbedingt leicht zu begreifen und unterscheiden, wann es „okay“ ist zu lügen und wann nicht. Also was ist eigentlich eine Lüge und was nicht? Ironie und Sarkasmus zum Beispiel. Für Kinder sehr schwer zu begreifen und letztlich sagt man, wenn man es mal nüchtern betrachtet, die Unwahrheit, wenn man ironisch antwortet. „Hast du den Rasen gemäht?“ – „Ne, der ist von alleine kurz geworden!“. Oder wie ist das denn mit „Lügen“ im Spaß? „Hast du mich gerade gepiekt?“ – „Iiich? Ne. Würde ich nieeee machen, das war die Mama.“.

Wir Erwachsene erkennen das natürlich gut, aber Kinder müssen da schon ziemlich genau aufpassen.

Aber noch einmal zurück zur kleinen Chefin. Sie ist aktuell also durchaus dabei, sich ab und an lieber einer Lüge zu bedienen, als etwas unumwunden zuzugeben. Schwierig genug. Aber gestern hat sie dann tatsächlich den Hochverrat schlechthin begangen. Quasi die Todsünde beim Lügen überhaupt. Sie hat nicht nur behauptet, dass sie etwas nicht gewesen ist, sondern sie hat (mit einer Freundin zusammen) behauptet, es wäre der kleine Chef gewesen. Also nicht nur eine eigene Beteiligung abgestritten, sondern die Schuld auch noch jemand anderem und dann sogar noch ihrem Bruder in die Schuhe geschoben.

ENtsprechend frostig war dann teilweise die Stimmung. Auch der kleine Chef neigt dazu, erst einmal „Nöööö!“ zu sagen, wenn er nach seiner Schuld gefragt wird. Aber letztlich gibt er es (noch) nach einigem Nachfragen zu, wenn er etwas ausgefressen hat. Nicht aber so gestern. Erst als er eine allerletzte Chance bekam, die Wahrheit zu sagen (was er ja die ganze Zeit schon getan hatte) und ihm sonst eine entsprechende Konsequenz angedroht wurde, rückte die kleine Chefin plötzlich damit raus, dass er es nicht gewesen ist. Immerhin hat sie dann in allerletzter Sekunde doch noch kalte Füße bekommen, aber das Kind war da natürlich grundsätzlich schon in den Brunnen gefallen.

Hoffen wir nun, dass die Standpauke und die eindringlichen Gespräche später so weit gefruchtet haben, dass sie etwas daraus gelernt hat und nun erst einmal eher zu ihren eigenen „Taten“ steht.

Auch, dass sie gerade für ihren Bruder eintreten und nicht mitmachen sollte, wenn er (übermäßig) geärgert wird, war ein Thema. Mal sehen.

Auf jeden Fall machen es zwei Kinder für Eltern nicht leichter mit diesem Phasendings. Ist eines mal aus einer Phase raus, tritt das andere in eine Phase ein und umgekehrt.

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