Morgen ist heute schon gestern

Jetzt sind wir also wieder einmal in der Phase angekommen, wo die Zeit in den Blickpunkt fällt. Der kleine Chef begreift, dass es eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft gibt. Aber diese richtig einzuordnen fällt im ausgesprochen schwer. So ist derzeit alles was vergangen ist „gestern“. Also sowohl „Gestern“ ist gestern, als auch „neulich“, „letzte Woche“ oder „vor einem Jahr“. Für ihn alles das Gleiche, für uns dann oftmals schwer nachzuvollziehen, wovon der kleine Chef denn gerade spricht.

Die Gegenwart ist dann quasi das „Heute“ bis zum Zeitpunkt „Jetzt“ (erinnert mich an den Titel des zweiten Best Of Albums der Ärzte: „Das Beste von kurz nach Früher bis Jetzte“). Alles was danach kommt ist „Zukunft“. Stimmt ja auch. Nur, dass die gesamte Zukunft für ihn gefühlt an einem einzigen Punkt in der fernen Zukunft gesammelt liegt. Selbst ein „gleich“ liegt daher unglaublich weit weg und führt zu riesigen Enttäuschungen. Wenn wir also sagen, er bekommt jetzt kein Eis, sondern gleich, dann bereitet ihm dies seelische und fast schon physische Qualen, da diese Aussage durch dieses in vager Zukunft liegende gefühlt zu einem „Nein“ wird.

Somit ist aktuell also alles temporäre irgendwie sehr unkonkret beim kleinen Chef. Wobei sich dies nicht nur auf das zeitliche Empfinden beschränkt. Auch sonst ist er gerne sehr unkonkret. „Was ist das?“ fragt er dann mal gerne und schaut einem dabei in die Augen. Macht man ja auch so. Man schaut denjenigen an, mit dem man spricht. Wenn man allerdings fragt, was das ist und dann weder in die Richtung schaut noch darauf zeigt noch sagt was man meint, dann ist man selbst gefühlt irgendwo zwischen „Dingsda“ und „Ich seh etwas, was du nicht siehst.“

Wie heute morgen bei den Frühstücksvorbereitungen am Kühlschrank:

Papa: „Was magst du denn nun Frühstücken? Toast mit SchokoMac? Toast mit Erdbeermarmelade oder Zuckersterne* mit Milch oder mit Joghurt?“
Kleiner Chef: „Haben wir denn noch eigene oder müssen wir kaufen?
Papa: „Was haben wir eigene?“
Kleiner Chef: „Na eigene!“
Papa: „Was eigene? Erdbeermarmelade?“
Kleiner Chef: „Ne, eigene!“
Papa: „Ja was denn? Joghurt? Erdbeermarmelade? Zuckersterne?“
Kleiner Chef (auf nichts zeigend oder blickend): „Ne. Das da!“

*Zuckersterne = Frosties

So entspinnen sich dann gerne schöne Dialoge, die im Nichts zu verlaufen drohen, oder zumindest dort, wo auch die komplette Zukuft liegt. Aber dank Raumschiff Enterprise weiß ich ja, dass das alles nichts Schlimmes ist. Das sind einfach nur ein paar kleinere Risse im Raum-Zeit-Kontinuum und solche Raum-Zeit-Anomalien sind eher instabil und kollabieren in der Regel ganz von alleine. Nachher. Oder später. Vielleicht auch gleich.

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2 Gedanken zu “Morgen ist heute schon gestern

  1. Wenn die „Diskussionen“ allzu abstrakt werden, dann hilft eigentlich immer ein gute getimtes „Beam me up.Scotty!“ oder ein „Warp 4, Mr Sulu!“, um wieder klar zu kommen! 😀

  2. Haha 🙂 Kenne ich! LadyGaga fragt mich oft: „Ist Heute Morgen?“

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