Ängste

Man hat ja schon so manches Mal in irgendwelchen schlauen Erziehungsratgebern geblättert. Meist haben wir diese wieder kopfschüttelnd weggelegt, aber das Eine oder Andere hat man doch irgendwie im Hinterkopf abgespeichert. Zum Beispiel, dass man Ängste quasi anerziehen kann, in dem man diese Ängste vorlebt. Umkehrschluss: man kann die Entstehung von Ängsten vermindern, indem man mutig vorlebt.

An dieser Stelle kann ich sagen, das ist vollkommener Unsinn. Punkt. Sicher kann man durch das Vorleben einer Angst vor Spinnen diese bei einem Kind fördern. Aber ich denke, diese muss mindestens latent bereits vohanden sein. Andersrum sind bei manchen Kindern Ängste verankert, die niemand vorlebt und die dennoch entstehen.

Wir haben hier zum Beispiel keine Angst vor Spinnen. Okay, wir mögen sie nicht unbedingt, aber sie werden dann einfach entfernt. Ohne spitze Schreie oder Panikattacken. Die kleine Chefin hat auch keine Angst vor Spinnen. Haben wir ihr ja so auch nicht vorgelebt. Aber der kleine Chef hatte von Anfang an eine gehörige Angst vor Spinnen. Und Ameisen. Und eigentlich allem, was krabbelt. Es ist etwas besser geworden, aber er muss sich schon in gewissem Maße dazu zwingen.

Spinnweben sind ihm ein Graus und wenn irgendwo welche sind, dann ruft er nach Mama, Papa oder der kleinen Chefin, damit irgendjemand diese entfernt. Er selbst kann das nicht. Schon mit einem Stock kostet es ihn Überwindung.

Ebenso hat er eine gehörige Angst vor Gewitter. So stark, dass er bei im Kindergarten, als es einmal donnerte, kaum zu beruhigen war. Das Herz hämmerte und er war so geschockt, dass er sich danach bei leichtem Regen nicht aus der Tür traute. Noch immer beäugt er kritisch den Himmel und sieht bei Kaiserwetter in den weißen Wolken eine potentielle Gewittergefahr.

Diese Ängste hatte die kleine Chefin nie. Sie war dafür immer mehr der Typ, der vor anderen Personen großen Respekt hatte. Nicht nur vor fremden Personen, sondern auch vor Onkel oder Großeltern. Sie drückte sich dann immer im Rücken von Mama oder Papa herum und traute sich kaum heraus. Das hatte der kleine Chef dagegen nie.

Da wir beiden Kindern aber das selbe Verhalten vorleben und dazu bei beiden weder eine Angst vor Spinnen, noch vor Gewitter noch vor Verwandten gehört bin ich mir sicher, dass der Tipp, man könne Ängste vermeiden indem man sie einfach nicht vorlebt, gequirlter Mist ist.

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Ein Gedanke zu “Ängste

  1. Sehr richtig, seh ich genauso!
    ich habe auch zwei. Beide gleich erzogen, beide ziemlich verschieden. Wesen ist Wesen und das hat nichts mit richtiger oder falscher Erziehung zu tun!

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