Unsere Psychotante

Die kleine Chefin ist und bleibt unsere Psychotante. Sie ist ein absoluter Kopfmensch und macht sich über alles und jedes Gedanken. Oftmals auch viel zu viele Gedanken. Zum Beispiel über Dinge, die sie erlebt hat oder die gesagt wurden. Die Gedanken macht sie sich dann meistens abends im Bett … passt super, wenn man einschlafen soll/will.

Leider macht sie sich auch oftmals im Vorfeld viel zu viele Gedanken. Wenn Dinge anstehen, die sie betreffen und seien es auch noch so schöne Dinge. Sie macht sich einen Kopf und wird innerlich wohl panisch. Äußerlich bleibt sie da zunächst vollkommen gelassen, aber innerlich scheint es an ihr zu nagen und zu zehren. Kurz bevor dann das entsprechende Ereignis bevorsteht bricht es dann heraus. Leider nicht in Form von Worten, sondern in Form von Kopfweh, Halsweh, Bauchweh bis hin zu Fieber. Also echte Symptome unter denen sie dann leidet, aber anscheinend komplett hausgemacht und psychosomatisch ausgelöst. Das merken wir dann auch daran, dass diese Symptome kommen und gehen und kommen und gehen und kommen. Fast im Minutentakt. Als es anfing haben wir erst gar nicht gemerkt, dass es anscheinend nur vom Kopf ausgelöst wird. Daher hat sie in ihrem ersten Kindergartenjahr auch mal gleich den Fotografen und die Faschingsfeier verpasst und hat sich zur Nikolausparty hingeschleppt.

Kaum sind dann diese Ereignisse vorbei setzt dann die Wunderheilung ein. Als wäre nie etwas gewesen. Aber es fällt einem schwer, dies vorher richtig einzuschätzen und zu erkenne. Wird sie krank oder beschäftigt sie etwas? Natürlich müsste man bei einer „echten“ Erkrankung anders reagieren als bei Psycho-Bauchweh, aber letztlich ist Bauchweh eben Bauchweh und Fieber eben Fieber.

So richtig besser wurde es bei ihr nie. Auf den Skikurs hatte sie sich gefreut wie Bolle und um ein Haar wäre er für sie vor lauter Bauchweh am ersten Tag ins Wasser gefallen. Zum Glück hatten wir richtig getippt auf Psycho statt Blinddarm und sie dennoch geschickt, denn sie hatte wahnsinnigen Spaß und konnte gar nicht genug bekommen.

Diese Woche stehen nun drei Ereignisse an. Einmal ein Sicherheitskurs in der Schule. Ein Kurs eines ehemaligen Kriminalpolizisten, der die Kinder dabei versucht auf Gefahren aufmerksam zu machen und auf ihren Bauch zu hören, ohne ihnen Angst zu machen. Den Infoelternabend dazu besuchte die Mama der kleinen Chefin und war hellauf begeistert. Dann folgen noch zwei Geburtstagsfeiern, eine Freitag, die andere Samstag. Wann genau der Kurs in der Schule diese Woche stattfinden sollte war nicht klar und somit steigerten sich die Symptome (diesmal schleichende Schlaflosigkeit, Hals- und Kopfweh und allgemeines Unwohlsein mit leicht auszulösender Tränendrüse) von Montag bis heute kontinuierlich. Heute also der besagte Kurs und ein Kind welches anscheinend kaum in der Lage ist, den heutigen Tag zu überstehen. Ein Anruf aus der Schule erfolgte aber bisher nicht. Ich gehe davon aus, dass der Kurs direkt zu Schulbeginn startete und die kleine Chefin daher nun auf dem Wege der Besserung ist.

Das Ganze ist insgesamt recht schwierig für alle. Wir müssen erkennen, wenn sie Krankheitssymptome entwickelt, ob diese ein echter Infekt auslöst, oder ob irgendetwas den Kopf der kleinen Chefin aktuell zu sehr fordert. Sie versteht gar nicht so Recht, was dann mit ihr los ist und kann auch nicht in Worte fassen, was sie beschäftigt oder ob sie überhaupt etwas beschäftigt.

Wir schwanken dann natürlich auch immer zwischen Sorge und Mitleid. Sorge wegen der Symptome und Mitleid, weil sie sich dadurch in gewisser Weise selbst im Wege steht und riskiert, tolle Dinge nicht miterleben zu können. Verschweigen will ich auch gar nicht, dass das Ganze natürlich auch noch zusätzlich nervt, weil es eben hausgemacht ist und man aufpassen muss, dass sie eben dies nicht spürt. Sie kann ja nichts dafür und macht es nicht mit Absicht. Sie ist eben einfach unsere kleine Psychotante.

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6 Gedanken zu “Unsere Psychotante

  1. Ohje 😦 Arme kleine grosse Chefin. Und auch ihr armen Eltern! Ich verstehe Eure Zwickmühle total und wahrscheinlich habt ihr schon mehr als einmal mit ihr darüber gesprochen, wie sehr sie sich selbst im Weg steht.

    Und ich hab schon immer gedacht, WIR hätten so einen kleinen Gedankenmacher bei uns; aber gegen Eure „Psychotante“ ist das ja nix.
    Habt ihr schon mal daran gedacht, Euch Hilfe von aussen zu holen?

    Lg
    Nike

  2. Bei unserer kleinen Tochter steigerte sich die Psychosomatik nach einigen echt unschönen Erlebnissen (nicht nur in der Schule, auch familiär und gesundheitlich) so weit, daß hier kein Tag verging, an dem sie morgens einfach mal zur Schule gegangen wäre. Jeden Morgen mußten wir mit ihr diskutieren, jeden Tag war sie in Tränen aufgelöst und ich schon um 7:30 erledigt wenn sie dann zur Schule ging. Wir haben dann vom Kinderarzt eine Kinderpsychologin empfohlen bekommen und sie geht dort nun ab und zu hin, keine richtige Therapie, sondern eher eine Möglichkeit sich mit jemandem außerhalb der Familie zu unterhalten.
    Was mir sehr viel erklärt hat, war die Aussage der Psychologin, daß es bis zu einem gewissen Alter normal ist, Gefühle körperlich zu äußern. Irgendwann lernen Kinder dann, über das was sie beschäftigt zu reden. dabei wird unserer Tochter geholfen.
    Da eure Chefin ja noch kleiner ist als meine Kleine, schätze ich, sie liegt da noch voll im Rahmen, wenn auch mit einer sehr heftigen Ausprägung… mein Tip: wartet nicht allzu lange wenn ihr den Eindruck habt, das liegt nicht mehr im Rahmen. Tut auch den Kindern nicht gut, vor allem wenn sie selber schon gemerkt haben, daß sie sensilbler sind als anderer.
    LG und alles Gute Anna

  3. Zur Verteidigung der „Psychotante“ muss ich jetzt schon mal einschreiten:) So miese kleine Streptokokken hauen den stärksten Krieger um. Also, Papa der kleinen Chefin, dieses Mal krank sein wird nicht als psychosomatisch gewertet!
    Und schön, dass sie heute wieder so fit war und kommen konnte, sie hat sich echt gaaaaanz super gemacht 🙂 In Zukunft könnt Ihr Euch auf die Couch hauen und den Salat servieren lassen!

  4. Gut zu wissen, wenn man mal jemanden mit Bazillen bombardieren muss 😉 einfach die kleine Chefin stressen und auf eine Petrischale mit Vollmedium husten lassen 🙂

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