Imaginärer Einkaufshorror

Es ist herrliches Wetter. Wir sitzen auf der Terasse und genießen einfach. Die Kinder spielen friedlich vor sich hin und lassen uns in Ruhe etwas lesen. Irgendwann kommen sie aber dann doch auf die Idee, uns irgendwie zu integrieren. Glücklicherweise nur relativ passiv. Sie wollen einkaufen spielen und wollen dazu von uns Einkaufsaufträge erteilt bekommen.

Der kleine Chef möchte zum Heimwerkermarkt fahren und bekommt dementsprechend den Auftrag Nägel, Schrauben und Dübel zu kaufen. Auf Nachfrage wird ihm auch noch erlaubt, einen Rasenmäher zu kaufen. Die kleine Chefin dagegen möchte lieber zur Drogerie und soll daher Shampoo und Zahnpasta einkaufen.

Sie ziehen also los, er mit dem Laufrad, sie mit dem Bobbycar. Kurze Runde in der Einfahrt, raus auf die Straße zur Nachbarseinfahrt. Offensichtlich befinden sich dort die Geschäfte. Nach kurzer Zeit kehren sie zurück und überreichen uns die imaginären Einkäufe. Gut gemacht.

Nächster Einkaufszettel wird erstellt und sie ziehen wieder los. Irgendwann haben wir dann genug. Also natürlich nicht wir Eltern, nein, wie könnten wir vom Spielen mit unseren Kindern genug haben. Nein, wir haben genug eingekauft. Borhmaschine, Schraubenzieher, Motorsäge, Hammer, Stifte, Bürsten, Klopapier, Küchenrollen und noch vieles mehr. Also wollen wir das Spiel beenden und lassen uns natürlich noch dazu überreden, einen letzten Einkaufsauftrag zu erteilen. Der kleine Chef möge bitte Handtücher kaufen und die kleine Chefin Badetücher.

Beide eilen los, der kleine Chef ein Stück vor der kleinen Chefin. Zurück kehrt allerdings zuerst die kleine Chefin. Ihr Gesicht leicht verzerrt. Irgendwo zwischen wütend, traurig, verzweifelt und kurz vor ein paar Frusttränen. Gequält presst sie hervor (und man stelle sich nun bitte eine gequälte Kinderstimme vor, die nur schwer die Tränen zurückhalten kann und sehr empört dabei einen anklagenden Tonfall anschlägt):

„Ach menno. Mama! Papa! Ich konnte gar nichts einkaufen. Der kleine Chef hat schon alles eingekauft!“

Ich muss zugeben, wir konnten uns in dem Moment nicht halten vor Lachen. So aus Erwachsenensicht kommt also ein Kind mit leeren Händen Heim, weil es nur imaginäre Dinge aus imaginären Regalen in imaginären Geschäften eingekauft hat. Das andere kommt mit (auch imaginär) leeren Händen Heim, weil der Bruder also die imaginären Einkäufe selbst erledigt hat und damit anscheinend die imaginären Regale in den imaginären Läden geleert hat oder sie die imaginären Badetücher nicht ein zweites Mal imaginär Heim bringen wollte.

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3 Gedanken zu “Imaginärer Einkaufshorror

  1. Herrlich! Hab mich weggeschmissen vor Lachen!! Aber das ist ja gerade das Tolle..diese Phantasie…manchmal mecker ich mit meinem Sohn, weil er nicht zuhört..aber dann denk ich wieder,d ass er sicher gerade so in seinem Phantasiespiel ist, dass er es wirklich nicht mitbekommt und dann bin ich sauer auf mich selbst, dass ich nicht gemerkt habe wie toll es eigentlich ist….

  2. Herrlich. das nenne ich mal „völlig ins Spiel eintauchen“. Ich hoffe ihr konntet sie noch trösten ;-))
    Schöne Grüße
    Jutta

    • Als sie uns so lachen sah, musste sie relativ schnell selbst grinsen. Wir haben ihr dann noch einen weiteren Einkaufsauftra erteilen wollen, aber von hinter der Hecke tönte schon ihr Bruder, dass er die bisher nur aus dem Regal gehgolt aber noch nicht eingekauft habe 🙂

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