Würdevolles Schlagen

Ich finde den aktuellen Papst (das ist der Franziskus, falls es später mal zu Verwirrungen kommen sollte, wenn wir wieder einen neuen Papst haben) ja ziemlich gut und beeindruckend. Er hat im Vatikan doch schon für einigen Wirbel gesorgt und so einige Dinge vom Stapel gelassen, die einer kleinen Revolution gleich kommen. Also wenn man dabei bedenkt, dass es um die katholische Kirche geht. Eine Institution, die meiner Meinung nach grundsätzlich gut ist, von der eigentlichen Grundidee. Also die christlichen Werte sind ja keinen schlechten Werte. Aber das ginge hier nun zu weit und würde wieder in ellenlangen Diskussionen enden, die zu nichts führen. Daher zurück zum Papst. Mir gefällt, dass er mit einer alten Rostlaube rumfährt und nicht mit einem Prunkwagen. Mir gefallen einige seiner Zitate, wie:

Seine Aussagen zur Homosexualität etwa:
„In Buenos Aires habe ich Briefe von homosexuellen Personen erhalten, die ’soziale Wunden‘ sind, denn sie fühlten sich immer von der Kirche verurteilt. Aber das will die Kirche nicht (…). Wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt (…). Einmal hat mich jemand provozierend gefragt, ob ich Homosexualität billige. Ich habe ihm mit einer anderen Frage geantwortet: ‚Sag mir: Wenn Gott eine homosexuelle Person sieht, schaut er die Tatsache mit Liebe an oder verurteilt er sie und weist sie zurück?'“

Oder zum Umgang der Kirche mit Frauen:
„Die Frauen stellen tiefe Fragen, denen wir uns stellen müssen. Die Kirche kann nicht sie selbst sein ohne Frauen und deren Rolle. Die Frau ist für die Kirche unabdingbar. Maria – eine Frau – ist wichtiger als die Bischöfe (…). Man muss daher die Vorstellung der Frau in der Kirche vertiefen. Man muss noch mehr über eine gründliche Theologie der Frau arbeiten (…). Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden.“

Auch wie er sich dem Islam annähert und selbst klar differenziert zwischen dem Islam und den Gläubigen Moslems und den fundamentalistischen Islamisten, die den Glauben misbrauchen. Da scheint er sogar einen Schritt weiter zu sein, als der eine oder andere aufgeklärte Bürger auf deutschen Straßen.

Aber heute, hui, da hat der Papst mal einen rausgehauen. Kurz zusammengefasst hat er gesagt, dass es okay ist, seine Kinder körperlich zu züchtigen, wenn es ihre Würde nicht verletzt.

Okay, ganz heruntergebrochen könnte ich da sogar aus vollem Herzen zustimmen. Kinder körperlich zu züchtigen, ohne ihre Würde zu verletzten ist okay. Allerdings fällt mir kein Weg ein, wie diese beiden Dinge miteinander kombinierbar sind. Also ist damit eine körperliche Züchtigung nicht möglich. Ende. Ich denke aber, dass er das so in dieser Konsequenz nicht gemeint hat. Im Gegenteil.

Einmal war er wohl beruhigt, als er von einem Vater hörte, der seine Kinder hin und wieder zur Erziehung schlagen würde, dass er dies nie ins Gesicht täte. Immerhin ist er damit schon wieder einen Schritt weiter als der Bruder seines Vorgängers Ratzinger, der zugegeben hatte, als Domkapellmeister hin und wieder Ohrfeigen verteilt zu haben (in einer früheren Version bezichtigte ich fälschlicherweise seinen Vorgänger selbst der Handgreiflichkeiten).

Beide sind damit aber Meilen hinter einem Don Bosco zurück, der im 19. Jahrhundert lebte und damals schon sagte: „Körperliche Züchtigungen, welcher Art sie auch seien … sind strengstens verpönt. Nicht nur, weil das Gesetz sie verbietet, sondern weil sie die Kinder reizen und den Erzieher selbst erniedrigen.“

Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und sagen, ich werde meine Kinder nie schlagen. Ich habe nicht vor sie zu schlagen und ich hoffe, ich werde es nie tun. Aber ich möchte und kann nicht ausschließen, dass vielleicht in einem Augenblick wahnsinnig viel zusammenkommen kann, in dem das passieren könnte. Das bedeutet aber nicht, dass ich dies deswegen gutheißen würde oder es dadurch entschuldbar wäre. Und ich hoffe inständig, dass niemals so eine Situation eintreten wird.

Bisher waren die einzigen Gelegenheiten, bei denen ich meine Kinder geschlagen habe, diverse Gesellschaftsspiele und es wäre schön, wenn es auch dabei bleibt.

Ganz frisch heute habe ich zum Beispiel meinen Sohn geschlagen. Im Memory. Da ist er heute ausnahmsweise mal so etwas von untergegangen, da war schon fast keine Würde mehr dabei …

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2 Gedanken zu “Würdevolles Schlagen

  1. Ich stimme deiner Argumentation voll und ganz zu. Habe nur eine kleine Berichtigung: Joseph Ratzinger war, so weit ich weiß, nie Domkapellmeister, sondern sein Bruder Georg.

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