Der Hahn im Korb im Elternbeirat

Ich bin seit mittlerweile 6 Jahren im Elternbeirat im Kindergarten. Es hat im ersten Jahr der kleinen Chefin angefangen und dabei blieb es dann auch. Die kleine Chefin ist zwar nun schon in der zweiten Klasse, aber durch den kleinen Chef ging es für mich übergangslos weiter. Nun ist der kleine Chef in seinem vorletzten Jahr im Kindergarten und ich bin immer noch im Elternbeirat.

In der Tat macht es hier im Elternbeirat Spaß, da es zum einen ein gut funktionierender Kindergarten ist und zum anderen die Zusammenarbeit zwischen Elternbeirat, Eltern und Kindergarten ebenfalls gut funktioniert. Insgesamt sind bei uns 8 Personen im Elternbeirat und in der Vergagenheit waren das immer 3 bis 4 Männer und 4 bis 5 Frauen. Auch das passte sehr gut, weil unterschiedliche Sichtweisen das Ganze belebten und somit immer irgendwie an alles gedacht wurde.

Dieses Jahr sind wir 7 Frauen und ich. Die Arbeit macht immer noch Spaß, aber es hat sich etwas verändert. In der Tat sind die Sitzungen in meinen Augen teilweise unstrukturierter und weniger zielgerichtet. Manche Dinge, die mir zumindest besprochen und klar erscheinen, werden in unterschiedlichsten Ausprägungen weiterdiskutiert, um am Ende dann doch genau an dem Punkt zu landen, wo wir meiner Ansicht nach schon vor 5 Minuten standen und uns mit dem nächsten Punkt hätten befassen können.

Auch werden manchmal Dinge angesprochen und dann durchdiskutiert, an denen man aber nun einmal nichts ändern kann. Wenn es zum Beispiel zu irgendeiner Frage eine gesetzliche Regelung gibt, dann braucht man in meinen Augen nicht darüber zu diskutieren, ob es nicht aber anders besser wäre. Bringt ja nichts, wenn das Gesetz besteht.

Aktuell habe ich es mir nun anscheinend mit einer Stellungnahme meinerseits mit (zumindest einigen) meiner Mitstreiterinnen verscherzt. Auslöser ist eine Diskussion, die seit einigen Jahren immer wieder aufflammt und bei der ich nun einfach mal die Nase voll habe. Es geht um das Thema „Parkplätze“ am Kindergarten.

Direkt vor dem Kindergarten war eine Verkehrsinsel, an der man zwischen 7.30 Uhr und 13.00 Uhr nicht parken durfte, weil der Schulbus da durchfahren und an der Insel drehen musste. Direkt vor dem Kindergarten standen 8 Parkplätze zur Verfügung. Auf der anderen Straßenseite/Verkehrsinsel noch einmal etwa 5 Parkplätze. Dann im weiteren Verlauf der Straße immer wieder auf beiden Straßenseiten Parkplätze, je nach dem, wie viel frei war.

Nach nunmehr 6 Jahren im Kindergarten kann ich mit reinstem Gewissen behaupten, dass ich einmal etwa 70m weit entfernt vom Kindergarten parken musste und sonst, wenn ich Pech hatte, 50m entfernt. Meisten stehe ich nicht weiter weg als 20m bis 30m. Es gibt aber genügend Eltern, denen das nicht nahe genug ist. Sie parkten fröhlich in zweiter Reihe oder im Halteverbot an der Verkehrsinsel. Alles andere wäre ja zu weit weg. Selbst Elternbeiratsmitglieder parkten dort im Halteverbot. Entschuldigen Sie bitte, aber dafür habe ich kein Verständnis, wenn man nur 30m weiter vernünftig parken kann.

Da dies aber anscheinend zu weit weg ist, wurde nun immer wieder angesprochen, man müsse was an der Parkplatzsituation tun. Mittlerweile wurde daran sogar etwas getan. Die Verkehrsinsel wurde weggenommen, der Straßenverlauf leicht geändert und nun stehen statt den bisherigen 8 Parkplätzen direkt vorm Kindergarten etwa 17 bis 20 Plätze zur Verfügung. Jetzt könnte man ja denken, alles ist gut. Aber weit gefehlt, die Parkplätze kamen, aber die Diskussionen blieben!

Diese Parkplätze müssen unbedingt zu Kurzzeitparkplätzen oder reinen Kindergartenparkplätzen ausgewiesen werden. Denn man stelle sich vor, da parken ANWOHNER!!! Ja spinnen denn die? Dort ist auch die eine oder andere Pension und es ist unfassbar, ich weiß, aber tatsächlich parkt dort auch mal der eine oder andere Pensionsgast auf diesen Parkplätzen. Es ist unglaublich! Und wissen Sie wer dort noch parkt? Die Erzieherinnen! Direkt vor dem Kindergarten!!! UN-VER-SCHÄMT!

Jetzt wurde der Elternbeirat auf der Gemeinde vorstellig und hat es geschafft, dass diese Woche die Polizei zur Bringzeit ab und an Streife fahren wird, um die Situation zu dokumentieren und das Ordnungsamt wird vorbeikommen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Da ich bei der Sitzung, an der dies beschlossen/verkündet wurde, nicht dabei war, habe ich in der Elternbeirats-WhatsApp-Gruppe (haben wir auch seit diesem Jahr) mein Unverständnis dazu geäußert. Immerhin verlangen wir nun ja, dass die Anwohner, die schon länger dort wohnen als der Kindergarten besteht, nun bitte nicht mehr vor dem eigenen Haus zu parken. Weil einigen Eltern es nicht zuzumuten ist, 50m weiter weg zu parken. Dass andere Eltern ihre Kinder zu Fuß bringen, und dabei 15 oder gar 20 Minuten unterwegs sind, brachte ich auch ins Feld.

Die Nachricht wurde gelesen und wurde gelesen und wurde gelesen und es herrschte Stille. Eine Antwort kam dann, dass ich doch bitte niemanden angreifen müsse, wenn ich anderer Meinung sei (wie gesagt, ich schrieb, dass ich dafür keine Verständnis habe und nicht der Meinung bin, hier etwas unternehmen zu müssen, nur weil einige Eltern zu faul sind, 50m zu laufen). Den Kennzeichen nach stünden da auch nicht nur Anwohner und solche Externen könnten ja auch 50m weiter weg parken.

Nun kann man an Autokennzeichen nicht ablesen, ob es Anwohner sind, oder nicht. Meine letzten 3 Autos hatten alle Kennzeichen aus anderen Landkreisen, da es Firmenwagen waren. Mindestens 3 der Erzieherinnen haben auch landkreisfremde Kennzeichen.

Wie dem auch sei, ich bin nun anscheinend der Buhmann. Mit einer aus dem Elternbeirat (die, die auch auf WhatsApp anwortete) habe ich mich heute unterhalten und der Ton sei eben nicht gut gewesen. Ich habe zwar noch einmal klargestellt, dass ich dort niemanden angreife und auch in keiner Weise persönlich geworden bin. Ich bin aber der Meinung, ich muss da keine Blümchen malen. Lieber formuliere ich direkt, was ich nicht richtig finde. Das bin ich auch vom Sport so gewohnt. Klare Ansage auf die Sache bezogen und weiter geht es. War in der Vergangenheit auch im Elternbeirat so möglich.

Eine andere Elternbeirätin hat mich heute morgen nicht mehr gegrüßt.

Aber gut, nächstes Jahr wollte ich mich ohnehin nicht mehr aufstellen lassen, sondern das letzte Jahr des kleinen Chefs einfach als „normales“ Elternteil genießen.

Bestätigt in meiner Meinung sehe ich mich übrigens noch einmal durch meinen Sohn. Ich selbst bin ja auch faul. Das gebe ich zu. Und als ich neulich dann auf meinem weit entfernten Parkplatz parken musste, also 50m entfernt, sagte ich zum kleinen Chef:

Ich: „Oh, heute müssen wir aber weit weg parken.“
Sohn: „Warum?“
Ich: „Weil so viel los ist und näher dran kein Prakplatz frei.
Wir steigen aus dem Auto aus, mein Sohn schaut sich um, blickt zum Kindergarten und sagt:
Sohn: „Papa! Das ist doch gar nicht weit!“

Recht hat er!

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9 Gedanken zu “Der Hahn im Korb im Elternbeirat

  1. Was deine Parkplätze sind, ist bei uns der Zebrastreifen.
    Der befindet sich ungefähr 25m vom Krippeneingang entfernt. Immer wieder werden die Eltern von den Betreuern oder der Standortleitung angehalten, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und über den Zebrastreifen zu gehen – auch wenn man eigentlich von der anderen Seite kommt und dafür an der Krippe vorbei gehen muss. Ich verstehe dass man selbst einfach so bequem ist und immer den kürzesten Weg wählt, aber ich kann einfach nicht nachvollziehen warum man dafür kein Verständnis zeigen kann.
    Verlangt es einem so viel ab, 40m mehr zu gehen um seinem eigenen Kind und allen anderen ein Vorbild zu sein? Offensichtlich ja. Wirklich schade. Man reißt sich ja keinen Hax aus bei den paar Metern.

    Dass Eltern auch das Halteverbot direkt vor dem besagten Zebrastreifen bis zum get no zuparken ist nochmal ein anderes Thema.

  2. Beim Lesen deines Beitrags krieg ich echt Puls. Die Damen vom Elternbeirat scheinen zu denken, dass es nur ihre Meinung gibt. Und ganz im Ernst, warum sollte man sich wegen so etwas gleich derart angegriffen fühlen und den „Kritiker“ nicht mal mehr grüßen?! Ziemlich kindisch! Wie begründen die Damen eigentlich ihre Ansicht, dass so weit weg zu parken nicht zumutbar ist?

  3. Meine Güte, was für ein Kindergarten. Bei manchen Eltern fragt man sich schon.

    Hier bei uns ist die Situation viel schlechter. Fünf Parkplätz direkt vor dem Kindergarten und dann muß man mindestens 50m zu den nächsten gehen oder auch mal uns Eck biegen.

    Und? Schon mal davon gehört, daß Bewegung gesund ist?

    (Bin voll bei Dir!)

  4. Frauen. *augenroll* Sowas machen nur Frauen. Und das meine ich nicht mal ironisch. :/

  5. Stimme der roten Fee zu. Frauen!!! Oder Weiber, wie man hier sagen würde. Schrecklich. Wir sind verwöhnt, was Parkplätze am Kindergarten angeht, aber ich laufe sowieso meistens, da ich ja gerade zu Hause bin. Klar, mit Maxi Cosi ist es ätzend, ich hasse es auch, den zu tragen, aber für diesen Fall nimmt man eben den Kinderwagen mit und gut. Unsere Gesellschaft wird immer schlimmer… traurig, dass sie dich jetzt schneiden wegen so was!! Erbärmlich. Aber das wäre bei uns mit Sicherheit nicht anders. Wegen welchem Thema auch immer. Weiber eben. Furchtbar!

  6. Bin auch voll auf deiner Seite, Papa! „Kindergarten“ eben!
    Bei uns vor dem Kindergarten haben wir eine 30-Zone. Dazu könnte ich auch Geschichten erzählen…!

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