Ticks und Rituale

„Rituale sind wichtig!“ Das liest man in allen Elternratgebern und die meisten Eltern, wie auch wir, haben uns in vielen Situationen daran gehalten. Bis heute haben wir Rituale. Zum Beispiel beim zu Bett gehen. Wir machen die Kinder gemeinsam fertig, mit mehr Unterstützung beim kleinen Chef und weniger Unterstützung bei der kleinen Chefin. Anschließend liest dann einer von uns bei ihm und einer von uns bei ihr vor. Das heißt, sie liest erst selbst 10 bis 15 Minuten und bekommt dann noch den Rest vom Kapitel vorgelesen. Anschließend zieht der beim kleinen Chef noch 2 Mal dessen Spieluhr (La-Le-Lu) auf und dann tauschen wir. Jeweils noch eine Spieluhr bei beiden und dann alleine lassen. Nach 5 Minuten schauen wir noch einmal nach ihnen und singen zwei mal drei Refrain-Strophen von La-Le-Lu.

Wie wichtig Rituale sind, merkt man manchmal auch an sich selbst. Als Sportler hatte ich viele Rituale, die ich vor einem Spiel vollzog oder auch zu bestimmten Spielsituationen im Spiel. Das steckt dann irgendwo zwischen Aberglaube und Ritual, ist aber für einen selbst in dem Moment unglaublich wichtig. Die Reihenfolge, in der man die Ausrüstung anzieht. Was man nach einem Tor oder nach einem Gegentor macht, welche Dehnübungen in welcher Reihenfolge etc. Es gibt Halt und macht es einfacher, sich zu fokussieren.

Der Grat zwischen Ritualen und Ticks ist aber eher schmal. So hat doch jeder von uns einen kleinen Monk in sich. So mag ich es selbst zum Beispiel nicht, wenn der Lichtschalter für das Kellerlicht „falsch“ steht. Also wenn die obere Hälfte vom Schalter absteht statt der unteren, wenn das Licht aus ist.

Die kleine Chefin hat mittlerweile auch schon ein Ritual, welches irgendwo zwischen Ritual und Tick liegt. Nachdem man also nach dem einmaligen Hören der Spieluhr das Zimmer verlässt, dann wirft sie einem 5 Küsse hinterher und sagt „Gute Nacht. Schlaf gut. Hab dich lieb.“. Wenn man dann von der Tür noch einmal zurückblickt und sagt „Ich dich auch! Schlaf gut.“ dann fragt sie noch einmal gegen: „Kommt einer von euch noch einmal nach 5 Minuten?“

Es ist ihr eigenes Ritual. Sie weiß auch, dass dies, gerade die letzte Frage eigentlich obsolet ist, aber sie stellt sie und sie braucht sie. Ebenso, wie diese genau 5 Küsse und die drei Sätze.

Rituale. Sie geben einem Halt und Sicherheit.

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