Von stillen und tosenden Gewässern

Der kleine Chef ist kein stilles Wasser. Im Gegenteil. Er ist aufgedreht und hüpfig und zappelig und wild und weiß eigentlich den ganzen Tag nicht, wohin mit seinen ganzen Energien. Er kann auch nicht anders. Er weiß, dass die Katze reißaus nimmt, wenn er zu wild auf sie zustürmt, aber vor lauter Energie kann er einfach nicht ruhig zu ihr hingehen, wenn man ihn nicht direkt in diesem Moment daran erinnert.

Er springt mit einem Satz und einem Schrei ins Zimmer und platzt dabei mitten in Gespräche rein. Das macht er nicht mit böser Absicht. Er denkt darüber einfach nicht nach und macht es einfach. Eben, weil diese Energie und der Bewegungsdrang und einfach alles in diesem Moment aus diesem kleinen fünfjährigen Körper raus will und raus muss.

Dementsprechend geknickt ist er dann, wenn er dafür getadelt wird, was aber natürlich ab und an durchaus sein muss, in solchen Momenten.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann haut er einem auch im vorbeigehen auf den Hintern oder macht sonst irgendeinen Quatsch. Das Prinzip „Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ hat er noch nicht annähernd verinnerlicht. Er ärgert natürlich auch ganz gerne mal andere, so wie es fünfjährige Jungs eben tun.

Allerdings kann er leider selbst nicht wirklich damit umgehen, wenn andere ihn ärgern oder Dinge machen, die ihn ärgern. Schon immer war sein Glas halb leer und nicht halb voll und das hat sich bis heute auch nicht geändert. Zwei Kinder im Kindergarten haben ihn geärgert? Dann ist der ganze Kindergarten doof. Dass er dort aber auch Freunde hat, das sieht er dann nicht mehr.

Wenn ihn andere ärgern oder Dinge tun, die er nicht mag, dann hat er ein Gedächtnis wie ein Elefant und vergisst nichts. Wenn ein anderes Kind Dinge kaputt macht, die er mühsam aufgebaut hat, dann ärgert er sich nicht nur darüber, sondern das entsprechende Kind ist bei ihm unten durch. Auf Dauer. Eine zweite Chance gibt er so gut wie nicht. Er setzt sich aber auch nicht wirklich zur Wehr. So laut und aufgedreht und aufgeweckt wie er einerseits ist, so zurückhaltend ist er andererseits wenn es darum geht, selbst Grenzen oder sich zur Wehr zur setzen. Dinge zu überhören oder zu kontern ist nicht sein Ding. Er leidet dann lieber leise vor sich hin und ist unglücklich. Er lässt sich dabei dann sogar von deutlich kleineren Kindern den Schneid abkaufen. Anstatt selbstbewusst so einem „kleinen Scheißer“ zu zeigen, wer hier das sagen hat, lässt er sich von Kindern im ersten oder zweiten Kindergartenjahr ins Boxhorn jagen. Dabei ist er selbst schon im dritten Jahr und für sein Alter auch körperlich eher groß. Immerhin misst er fast 120cm.

Er ist also kein stilles, tiefes Wasser. Er ist ein lautes, tosendes Gewässer, welches leider beim kleinsten Staudamm versiegt. Und mir wäre es manchmal weniger schwer ums Herz, wenn er einen schärferen Blick für die schönen und tollen Dinge hätte, verzeihen könnte und ein dickeres Fell hätte.

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Kopfverdreher und Herzklopfmacher

Tochter, 8 Jahre, 2. Klasse, 2. Halbjahr.

Tochter: „Ich bin ja übrigens in noch einen Jungen verliebt, Papa.“
Papa: „Ach ja? In wen denn?“
Tochter: „In den Leo, der ist aus einer anderen Klasse.“

Papa: „Und wieso in noch einen? In wen denn noch?“
Tochter: „Na den Lucca!“
Tochter: „Und den Jonathan. Und den Jan.“
Papa: „Oha. Am Ende wirst du dich aber für einen entscheiden müssen!“
Tochter: „Ja, ich weiß.“

Tochter: „Das ist nicht einfach.“
Papa: „Ist denn einer von denen auch in dich verliebt?“
Tochter: „Ja.“
Papa: „Wer denn?“
Tochter: „Der Jonathan, der Lucca, der Leo und der Jan!“
Papa: „Oh!“
Tochter: „Ja! Jetzt habe ich ein Problem, oder?“

Lieber die zweite Geige

Rollenspiele. Wer kennt sie nicht. Sie sind natürlich wichtig für die Entwicklung der Kinder und so sollen wir Eltern auch eben diese mit unseren Kindern spielen. Aber ich muss gestehen, dass ich froh bin, dass wir nun zwei Kinder im rollenspielfähigem Alter haben und diese damit auch einfach mal untereinander dies vollführen können.

Aktuell spielen unsere Kinder auch gerne Rollenspiele. Entweder miteinander, oder mit Freunden. Meistens nichts mehr wie „Vater, Mutter, Kind“, sondern eher das Nachspielen von Geschichten oder Serien, wie „Bibi & Tina“ oder „Mia and Me“. Was dabei allerdings nach wie vor auffällig ist, ist dass unsere Tochter dabei meist eine Rolle aus der zweiten Reihe wählt. Nicht, weil die Hauptperson schon belegt wäre, sondern einfach so. Selbst wenn z.B. ihr Bruder nicht die Hauptrolle übernimmt, dann bleibt diese eben im Zweifel unbesetzt.

So verkörpert die kleine Chefin lieber „Tina“ als „Bibi“. Hier könnte natürlich auch mitspielen, dass ihr vielleicht die Schauspielerin der „Tina“ im Kino sympathischer war, das kann ich nicht beurteilen, aber bei „Mia and me“ spielt dieser Fator keine Rolle mehr.

Für alle, die „Mia and me“ nicht kennen: es geht um Mia, die auf ein internationales Internat geht. Ein Buch über Elfen, welches ihr Vater geschrieben hat, wechselt sie zwischen der realen Welt und der Elfen hin und her und muss helfen, Centopia zu retten. Klingt schlimm? Dachten wir auch. Ist es aber eigentlich gar nicht. Aber wie dem auch sei, in Centopia gibt es auch Einhörner. Eines davon ist Lyria, die Mutter von Onchao. Onchao ist ein ganz besonderes Einhorn und der Schlüssel zur Rettung Centopias. Lyria ist „nur“ dessen Mutter und verschwindet auch erst einmal, um dann am Ende wieder gerettet zu werden. Aber das wichtige Einhorn ist Onchao. Die kleine Chefin aber ist Lyria.

Insgesamt spiegelt dies aber auch das Wesen unserer Tochter wider. Sie ist keine Rampensau. Eine Wilde ist sie, ja, aber im Mittelpunkt stehen ist nicht ihr Ding.

Gleich!

Wir sind in eine neue Phase bei der kleinen Chefin eingetreten. Wie wir wissen, ist ja alles nur eine Phase bei unseren Kindern. Aktuell sind wir bei der kleinen Chefin in der „Gleich-Phase“. Diese kennzeichnet sich dadurch, dass alles „gleich“ geschehen wird.

„Kommt ihr bitte essen?“
„Gleich!“

„Räum bitte mal dein Zimmer auf!“
„Gleich!“

„Zieh dich an, wir müssen los!“
„Gleich!“

Meist handelt es sich da natürlich einfach unsererseits um mieses Timing. Wir kommen mit solchen Dingen immer dann um die Ecke, wenn gerade furchtbar wichtige Dinge noch erledigt werden müssen. Zum Beispiel noch ein Puzzleteil suchen. Oder eben kurz das Lego-Haus fertig bauen. Da hat sie natürlich keine Zeit für so profane Dinge wie eine gemeinsame Nahrungsaufnahme …

Der kleine Michael Phelps

Wir arbeiten ja so langsam mit dem kleinen Chef auf das Seepferdchen hin. Dazu hatten wir letztes Jahr schon einmal einen Schwimmkurs gemacht, bei dem der kleine Chef auch super war. Zumindest anfangs. Er war einer der schnellsten und besten Schwimmer im Kurs. Aber irgendwann von einem Tag auf den anderen wollte er nicht mehr. Vielleicht hat er Wasser geschluckt, vielleicht wurde er nass gespritzt, vielleicht tauchte er einmal unter, wir wissen es nicht. Aber es passt zu ihm, dass er sich von irgendeinem kleinen Vorfall so verunsichern lässt, dass er sein gesamtes Können in Frage stellt. Es war danach nicht mehr daran zu denken, mit ihm ohne Schwimmgürtel ins Wasser zu gehen.

Das hat sich nun ein Jahr später zum Glück gebessert. Aber immer noch ist er leider immer wieder von Selbstzweifeln und Ängsten geplagt. Er schwimmt kaum mal eine längere Strecke am Stück. Nicht, weil er nicht könnte, sondern weil er unterwegs aufgibt und im Zweifel sogar Panik bekommt. Von außen betrachtet unbegründet, denn er hatte bis dahin alles im Griff, aber er bricht dann ab.

Heute war ich mit ihm im Schwimmbad. Männerwochenende, denn die Mädels sind auf einem Hockeyturnier. Also nur wir beiden Männer. Und endlich endlich ist er eine komplette Bahn geschwommen. 25 Meter. In der Hälfte wollte er abbrechen, aber mit euphorischen Anfeuern konnte ich ihn animieren, daran zu ziehen und bis zum Ende zu schwimmen. Und er hat es geschafft.

Nun arbeiten wir noch am Sprung vom Beckenrand. Den kann er und das schon seit einem Jahr, aber auch da scheut er wie ein Pferd. Heute nach 10 minütigem Zureden ist er einmal gesprungen, aber er war nicht dazu zu bewegen, auch ein zweites Mal zu springen. Also im Nichtschwimmerbecken schon, aber nicht im tieferen. Also tiefer bedeutet da, dass er gerade so nicht mehr stehen kann, aber das reicht, dass er nicht mehr springt. Er springt aber draußen von Heuballen. Er springt im Nichtschwimmerbecken von Beckenrand. Er taucht, so dass auch das Untertauchen eigentlich kein Problem ist. Auch das Untertauchen nach Rutschen ist kein Problem. Aber der Sprung vom Beckenrand ohne Engelszungen wird wohl noch dauern.