rituelle Essenseinleitungen

Wer kennt sie nicht? Diese tollen Sprüchlein, die vor dem Essen aufgesagt werden? Vor allem aus dem Kindergarten werden diese gerne an den heimischen Esstisch geschleppt. Aber Kinder brauchen ja Rituale, nicht wahr? Wissen wir ja. Deswegen lieben wir alle diese Tischsprüche aus dem Kindergarten, nicht wahr? Genau, es ist nicht wahr. Zum Glück fordern unsere Kinder die nur sehr sehr selten ein, aber wenn, dann knüppeldick.

Aber hier hat sich jetzt langsam ausritualisiert, das sage ich euch.

Da gibt es das allseits beliebte:

„Piep piep piep,
wir ham uns alle lieb,
guten Appetit!“

Oder auch:

„Rosaroter Fisch,
setz dich an den Tisch.
Deine Flossen sind gewaschen
und nun wollen wir was naschen.
Guten Appetit!“

Noch beliebter natürlich:

„Rolle, rolle rolle,
der Tisch ist volle,
der Bauch ist leer,
brummt wie ein Bär,
brummt wie ein Hummer,
guten Hunger!“

Es wäre ja schon schlimm niedlich genug, wenn es dabei bliebe, aber nein, meine Kinder müssen auch noch selber dichten. Und natürlich auf meine Kosten. Auf wessen Kosten auch sonst?

„Rolle, rolle, rolle,
der Papa der ist volle,
das Bier ist leer,
Papa brummt wie’n Bär,
brummt wie ein Hummer,
guten Hunger!“

So, und wenn sich nun alle wieder beruhigt haben, dann können Sie gerne woanders weiterlesen und später wiederkommen. Hier gibt es nichts zu sehen …

Advertisements

Die Tochter und die Tiere

Die kleine Chefin ist echt eine coole Socke irgendwie. Natürlich muss ich als Vater so denken und dies auch kundtun, aber es stimmt auch wirklich. Sie ist ungeheuer Tierlieb und gleichzeitig ist sie auch noch so etwas wie eine Tierflüsterin. Dementsprechend ist sie auch für unsere Katze Ansprechpartnerin Nummer eins, wenn es nicht darum geht, jemanden dafür anzumeckern, dass kein Fressen im Napf ist. Dann bin ich Ansprechpartner Nummer eins, denn das ist meine Aufgabe. Das Mistvieh … aber ich schweife ab.

Also, die kleine Chefin ist unglaublich tierlieb und hat auch keinerlei Berührungsängste bei Tieren. Spinnen werden direkt auf die Hand genommen und fürsorglich aus dem Haus geleitet. Auch im Winter, wenn die spinnen dann wahrscheinlich nach wenigen Minuten an Erfrierungen elendiglich zu Grunde gehen, aber das überreißt sie einfach in dem Moment noch nicht. Oder vielleicht weiß sie es auch besser und Spinnen erfrieren gar nicht. Was weiß ich schon?

Wenn ich nun also wieder einmal auf Mausejagd gehen muss, weil unsere Katze diese irgendwo im Haus freigelassen hat, dann muss ich dies, wenn irgend möglich, so bewerkstelligen, dass ich die Maus wieder freilassen kann. Also lebend fangen. Sie toleriert es gerade so, wenn ich eine Stechmücke oder eine Wespe erschlage. Aber auch nur, weil sie da akzeptiert, dass ich hier im Zweifel unerbittlich bin und dies einfach mache und ein Stich von einer der beiden auch doof ist. Aber abends im Bett wollte ich beim Vorlesen eine Mücke erschlagen, durfte ich aber nicht. Ich musste erst amtlich verifizieren und zertifizieren, dass es wirklich eine Stechmücke war. War es nicht! Ich durfte also nicht meucheln.

Dagegen ist es ihr aber auch klar, dass wir, wenn wir Fleisch essen, Tiere essen. Hier haben wir immer mit offenen Karten gespielt, um nicht irgendwann ein „böses Erwachen“ zu provozieren. Wo genau sie nun also die Grenze zieht, ist auch mir nicht ganz klar, aber ich finde es cool. Aber ich bin ja auch ihr Vater. Ich muss sie ja cool finden.

Was wir so alles essen

Man möchte ja gar nicht glauben, was in der Familie Weristderchef so alles gegessen wird. Zumindest wenn man den Aussagen unserer Kinder Glauben schenkt.

Mama: „Auch Soße, kleiner Chef?“
Kleiner Chef: „Ja, aber ohne Pilze.“
Papa: „Du mit Pilzen, kleine Chefin?“
Kleine Chefin: „Ja, aber ohne Liselotten!“

Kleiner Chef: „Was ist denn das Grüne da?“
Mama: „Das sind Kräuter, Basilikum oder so.“
Kleiner Chef: „Oder Persil, gell?“

Es gab bei uns Schweinefilet mit Spätzle und Soße. In der Soße waren keine Liselotten, dafür Schalotten und weder Persil noch Petersilie waren bei den Kräutern dabei.

.

Ein Kreis schließt sich

Jeden Samstagabend gehen meine Eltern zum Kegeln. Schon seitdem ich denken kann ist das so und so lange ich denken kann, waren mein Bruder und ich dann alleine zu Hause und genossen den Abend. Als wir kleiner waren passten wohl unsere Großeltern auf uns auf, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Auf jeden Fall genossen wir den Abend. Wir schauten um 19.30 Uhr „Na sowas“ mit Thomas Gottschalk und später dann auch noch den 20.15 Uhr Spielfilm. Im Sommer gab es da oft den Wunschfilm, bei dem man vorher anrufen konnte und für einen von drei Filmen stimmen konnte. Der Film mit den meisten Stimmen wurde dann um 20.13 Uhr angesagt und begann um 20.15 Uhr.

Der Genuss begann aber schon vorher, so zwischen 19.00 Uhr und 19.30 Uhr. Denn da aßen wir, mein Bruder und ich, vor dem Fernseher noch zu Abend, während sich unsere Eltern fertig machten und das Haus verließen. Sehr oft machten wir uns dann überbackenen Toast. Das ist in der Tat das einzige Essen, an das ich mich in Zusammenhang mit diesen Samstagabenden erinnere. Ich liebte überbackenen Toast. Auch ganz ohne viel Schnickschnack wie Ananas oder Tomate oder sowas. Einfach Toast, Wurst und Käse und ab in den Ofen. Bis heute liebe ich in der Tat überbackenen Toast und mache den eigentlich viel zu selten.

Mittlerweile habe ich also selbst 2 Kinder und nicht immer schaffen wir es, rechtzeitig abends gemeinsam zu essen, damit es mit dem Bettgehen noch klappt. Dann dürfen sie also vor dem Fernseher essen und danach geht es ins Bett. Und was lieben die beiden kleinen Chefs dann zu essen? Überbackenen Toast …

.

Erziehung untergraben

Diese Momente, wenn die kleinen unabsichtlich aber sehr effektiv die ganze Erziehung untergraben in dem sie es schaffen, dass Mama und Papa dann irgendwann doch nicht mehr ernst bleiben können.

Der kleine Chef hat mal wieder das Abendessen verweigert. Obst aber auch Kekse, Joghurt und Süßigkeiten gingen aber den Nachmittag über ohne Probleme. Dazu noch seine derzeitige allgemeine Mecker-Großwetterlage. Also Zeit, Konsequent zu sein … war schon schwierig, weil er einen „kleinen“ Mecker-Nöhl-Anfall bekam, weil seine halbe Scheibe Brot längs in der Mitte durchgebrochen war und wieder zusammengeklebt werden sollt.

Mama: „Na los kleiner Chef, diese eine Scheibe Brot ist du jetzt.“
Kleiner Chef knatscht nur meckernd am Brot rum: „Ich hab Bauchweh.“
Mama: „Vielleicht Hunger.“
Kleiner Chef: „Nein!“
Mama: „Naja vielleicht weil du nur Süßkram gegessen hast. Das Brot isst du jetzt aber.“
Kleiner Chef knatscht nur weiter rum.
Mama: „Los, sonst gibt es morgen keine Süßigkeiten.“
Kleiner Chef … knatscht nur weiter.
Mama: „Kleiner Chef, ich meine es ernst. Keine Süßigkeiten morgen. Keine Kekse. Nix.“
Kleiner Chef: „Und keine Schokolade, gell?“
Mama: „Auch keine Schokolade.“
Kleiner Chef: „Auch keinen Lolly.“
Mama: „Auch keinen Lolly!“
Kleiner Chef: „Auch kein Kakao, gell? Keine Gummibärchen … keine Plätzchen … keine Schokolade … kein Kaubonbon … kein (usw.)“

Ernst bleiben war einfach nicht mehr drin.

.