rituelle Essenseinleitungen

Wer kennt sie nicht? Diese tollen Sprüchlein, die vor dem Essen aufgesagt werden? Vor allem aus dem Kindergarten werden diese gerne an den heimischen Esstisch geschleppt. Aber Kinder brauchen ja Rituale, nicht wahr? Wissen wir ja. Deswegen lieben wir alle diese Tischsprüche aus dem Kindergarten, nicht wahr? Genau, es ist nicht wahr. Zum Glück fordern unsere Kinder die nur sehr sehr selten ein, aber wenn, dann knüppeldick.

Aber hier hat sich jetzt langsam ausritualisiert, das sage ich euch.

Da gibt es das allseits beliebte:

„Piep piep piep,
wir ham uns alle lieb,
guten Appetit!“

Oder auch:

„Rosaroter Fisch,
setz dich an den Tisch.
Deine Flossen sind gewaschen
und nun wollen wir was naschen.
Guten Appetit!“

Noch beliebter natürlich:

„Rolle, rolle rolle,
der Tisch ist volle,
der Bauch ist leer,
brummt wie ein Bär,
brummt wie ein Hummer,
guten Hunger!“

Es wäre ja schon schlimm niedlich genug, wenn es dabei bliebe, aber nein, meine Kinder müssen auch noch selber dichten. Und natürlich auf meine Kosten. Auf wessen Kosten auch sonst?

„Rolle, rolle, rolle,
der Papa der ist volle,
das Bier ist leer,
Papa brummt wie’n Bär,
brummt wie ein Hummer,
guten Hunger!“

So, und wenn sich nun alle wieder beruhigt haben, dann können Sie gerne woanders weiterlesen und später wiederkommen. Hier gibt es nichts zu sehen …

Kopfverdreher und Herzklopfmacher

Tochter, 8 Jahre, 2. Klasse, 2. Halbjahr.

Tochter: „Ich bin ja übrigens in noch einen Jungen verliebt, Papa.“
Papa: „Ach ja? In wen denn?“
Tochter: „In den Leo, der ist aus einer anderen Klasse.“

Papa: „Und wieso in noch einen? In wen denn noch?“
Tochter: „Na den Lucca!“
Tochter: „Und den Jonathan. Und den Jan.“
Papa: „Oha. Am Ende wirst du dich aber für einen entscheiden müssen!“
Tochter: „Ja, ich weiß.“

Tochter: „Das ist nicht einfach.“
Papa: „Ist denn einer von denen auch in dich verliebt?“
Tochter: „Ja.“
Papa: „Wer denn?“
Tochter: „Der Jonathan, der Lucca, der Leo und der Jan!“
Papa: „Oh!“
Tochter: „Ja! Jetzt habe ich ein Problem, oder?“

Die Tochter und die Tiere

Die kleine Chefin ist echt eine coole Socke irgendwie. Natürlich muss ich als Vater so denken und dies auch kundtun, aber es stimmt auch wirklich. Sie ist ungeheuer Tierlieb und gleichzeitig ist sie auch noch so etwas wie eine Tierflüsterin. Dementsprechend ist sie auch für unsere Katze Ansprechpartnerin Nummer eins, wenn es nicht darum geht, jemanden dafür anzumeckern, dass kein Fressen im Napf ist. Dann bin ich Ansprechpartner Nummer eins, denn das ist meine Aufgabe. Das Mistvieh … aber ich schweife ab.

Also, die kleine Chefin ist unglaublich tierlieb und hat auch keinerlei Berührungsängste bei Tieren. Spinnen werden direkt auf die Hand genommen und fürsorglich aus dem Haus geleitet. Auch im Winter, wenn die spinnen dann wahrscheinlich nach wenigen Minuten an Erfrierungen elendiglich zu Grunde gehen, aber das überreißt sie einfach in dem Moment noch nicht. Oder vielleicht weiß sie es auch besser und Spinnen erfrieren gar nicht. Was weiß ich schon?

Wenn ich nun also wieder einmal auf Mausejagd gehen muss, weil unsere Katze diese irgendwo im Haus freigelassen hat, dann muss ich dies, wenn irgend möglich, so bewerkstelligen, dass ich die Maus wieder freilassen kann. Also lebend fangen. Sie toleriert es gerade so, wenn ich eine Stechmücke oder eine Wespe erschlage. Aber auch nur, weil sie da akzeptiert, dass ich hier im Zweifel unerbittlich bin und dies einfach mache und ein Stich von einer der beiden auch doof ist. Aber abends im Bett wollte ich beim Vorlesen eine Mücke erschlagen, durfte ich aber nicht. Ich musste erst amtlich verifizieren und zertifizieren, dass es wirklich eine Stechmücke war. War es nicht! Ich durfte also nicht meucheln.

Dagegen ist es ihr aber auch klar, dass wir, wenn wir Fleisch essen, Tiere essen. Hier haben wir immer mit offenen Karten gespielt, um nicht irgendwann ein „böses Erwachen“ zu provozieren. Wo genau sie nun also die Grenze zieht, ist auch mir nicht ganz klar, aber ich finde es cool. Aber ich bin ja auch ihr Vater. Ich muss sie ja cool finden.

Mütter nerven!

Kleine Chefin: „Sag mal Papa: hat deine Mutter früher auch so genervt?“
Papa: „Na klar. Alle Mütter nerven.“
Kleine Chefin: „Stimmt.“
Papa: „Aber Papas nerven doch auch.“
Kleine Chefin: „Nein! Du nicht!“
Papa: „Ach doch, ich glaube schon, dass ich manchmal nerve.“
Kleine Chefin: „Aber nicht so oft!“
Papa: „Naja, ich weiß nicht. Ich glaub schon.“
Kleine Chefin: „Deine Vater auch?“
Papa: „Na klar, mein Vater auch, genau wie meine Mutter. Ich habe erst viel später begriffen, dass sie das aber nicht gemacht haben, um zu nerven, sondern weil sie mir helfen wollten oder weil sie sich Sorgen machten. Das habe ich erst verstanden, als ich selber Kinder hatte. Dass man sich dann immer Sorgen um die Kinder macht, weißt du?“
Kleine Chefin: „Mütter im so: ‚Fahr langsam und zieh einen Helm auf!‘ … Ich ziehe IMMER einen Helm auf!“
Papa: „Ach weißt du was, Eltern nerven ihr Leben lang. Wenn wir im Winter von Oma und Opa Heim fahren, die 5 Minuten, dann sagt die Oma heute noch zu Mama ‚Fahrt vorsichtig!‘, weil sie sich immer noch Sorgen machen.“
Kleine Chefin: „Dabei fahrt ihr doch immer vorsichtig … Eltern …“

Lieber die zweite Geige

Rollenspiele. Wer kennt sie nicht. Sie sind natürlich wichtig für die Entwicklung der Kinder und so sollen wir Eltern auch eben diese mit unseren Kindern spielen. Aber ich muss gestehen, dass ich froh bin, dass wir nun zwei Kinder im rollenspielfähigem Alter haben und diese damit auch einfach mal untereinander dies vollführen können.

Aktuell spielen unsere Kinder auch gerne Rollenspiele. Entweder miteinander, oder mit Freunden. Meistens nichts mehr wie „Vater, Mutter, Kind“, sondern eher das Nachspielen von Geschichten oder Serien, wie „Bibi & Tina“ oder „Mia and Me“. Was dabei allerdings nach wie vor auffällig ist, ist dass unsere Tochter dabei meist eine Rolle aus der zweiten Reihe wählt. Nicht, weil die Hauptperson schon belegt wäre, sondern einfach so. Selbst wenn z.B. ihr Bruder nicht die Hauptrolle übernimmt, dann bleibt diese eben im Zweifel unbesetzt.

So verkörpert die kleine Chefin lieber „Tina“ als „Bibi“. Hier könnte natürlich auch mitspielen, dass ihr vielleicht die Schauspielerin der „Tina“ im Kino sympathischer war, das kann ich nicht beurteilen, aber bei „Mia and me“ spielt dieser Fator keine Rolle mehr.

Für alle, die „Mia and me“ nicht kennen: es geht um Mia, die auf ein internationales Internat geht. Ein Buch über Elfen, welches ihr Vater geschrieben hat, wechselt sie zwischen der realen Welt und der Elfen hin und her und muss helfen, Centopia zu retten. Klingt schlimm? Dachten wir auch. Ist es aber eigentlich gar nicht. Aber wie dem auch sei, in Centopia gibt es auch Einhörner. Eines davon ist Lyria, die Mutter von Onchao. Onchao ist ein ganz besonderes Einhorn und der Schlüssel zur Rettung Centopias. Lyria ist „nur“ dessen Mutter und verschwindet auch erst einmal, um dann am Ende wieder gerettet zu werden. Aber das wichtige Einhorn ist Onchao. Die kleine Chefin aber ist Lyria.

Insgesamt spiegelt dies aber auch das Wesen unserer Tochter wider. Sie ist keine Rampensau. Eine Wilde ist sie, ja, aber im Mittelpunkt stehen ist nicht ihr Ding.